Boygroup der Klassik

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Als der geraffte hellblaue Vorhang sich lautlos hebt, erklingen schon die ersten wohl bekannten Takte, obwohl das in identische Anzüge gekleidete Quintett Adoro noch gar nicht auf der Bildfläche erschienen ist.

Frankfurt - Gerade mal zur Hälfte ausgelastet präsentiert sich die Festhalle Frankfurt beim seit Wochen angekündigten Konzertereignis, das Pop und Rock mit Oper verbrüdern will, aber eher Schlager und Operette vereint. Von Ferdinand Rathke

Als der geraffte hellblaue Vorhang sich lautlos hebt, erklingen schon die ersten wohl bekannten Takte, obwohl das in identische Anzüge gekleidete Quintett Adoro noch gar nicht auf der Bildfläche erschienen ist: „Halt mich fest“ heißt die majestätische Ode, die weniger nach Verdi oder Puccini, denn nach „Weißem Rössl“ klingt und eigentlich mal unter dem Titel „Take On Me“ ein Welthit für das norwegische Pop-Trio A-ha war.

Dann erscheinen die stattlichen Mannsbilder leibhaftig – und nicht nur bei der Damenwelt erhöht sich sprunghaft die Herzfrequenz, übertönt nur vom stürmischen Applaus. Der lyrische Tenor Assaf Kacholi, Bassbariton Peter Dasch, Tenor Laszlo Maleczky sowie die Baritone Nico Müller und Jandy Ganguly gehen auf Nummer sicher, sieht man einmal von dem einzigartigen Tanzversuch im Boygroup-Stil am Ende des Abends, dem als Gag gedachten Pizzaboten oder die Toskanaimpressionen in Schwarzweiß bei Nenas „Irgendwie irgendwo irgendwann“ ab.

Klassik spielt nur eine untergeordnete Rolle zwischen den schön intonierten Liedern von Nena, Rosenstolz, Scorpions, Peter Maffay, Udo Lindenberg oder Marius Müller-Westernhagen. Einzig Giuseppe Verdis „La donna è nobile“ erklingt in ganzer Pracht, nachdem Adoro zuvor Léo Delibes „Lakmé“ und Giacomo Puccinis „Nessun Dorma“ im Medley nur angestimmt haben. Bei Nenas „Liebe ist“ streifen sie durch die Sitzreihen, posieren für Schnappschüsse und schütteln artig Hände. Feuerfontänen schießen in die Luft beim Finale, das bejubelt wird, als wären Enrico Caruso und Mario Lanza auferstanden.

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