Die Ärzte in der Festhalle

Pubertäre Altherren

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Nur echt mit der Teetasse: Farin Urlaub, Gitarrist der Ärzte, beim schweißtreibenden Konzert in der Festhalle

Frankfurt - „Willkommen in der größten Sauna Deutschlands.“ Farin Urlaub, Gitarrist der Berliner Band Die Ärzte, traf den Nagel süffisant auf den Kopf. Von Carsten Müller

An zwei Tagen gastierte das Trio in der Frankfurter Festhalle, und auf dem Rang schwitzend fragte man sich anfangs besorgt, wie es den Fans im ausverkauften Parkett ergehen würde, wo es enger zuging als in einer finnischen Holzhütte. Knappe drei Stunden später war man eines Besseren belehrt. Die Menge war klatschnass, aber rundum glücklich – und vor allem: wohlauf.

Farin Urlaub und seine Bandkollegen Rodrigo Gonzalez (Bass) und Bela B. (Schlagzeug) hatten musikalische Aufgüsse versprochen, die schweißtreibende Begeisterung auslösten. Sie stammten nicht nur vom aktuellen Album „auch“, wie etwa „M&F“ und „Captain Metal“, sondern reichten bis in die späten Achtziger Jahre zurück („Popstar“), als die Titel des Trios auf dem Index standen und Kassetten-Aufnahmen wie Kostbarkeiten in Teenager-Kreisen zirkulierten.

Generationsübergreifend wurde mitgesungen

Dass in dieser langen Zeitspanne manch Jugendlicher von damals längst Elternteil eines jungen Ärzte-Fans geworden ist, war in der Festhalle kaum zu übersehen. Generationsübergreifend sang man Texte mit, die ähnlich eingängig wie die Melodien sind. Und natürlich gehen fast drei Jahrzehnte Musikerleben an den Berlinern nicht spurlos vorüber: „Der Bela hat aber ganz schön zugelegt“, raunte eine Beobachterin zu Beginn kritisch.

Den Ärzten sind solche Kategorien fremd. Nach wie vor geht ihre Mischung aus Punk und Rock mächtig nach vorn, unschwer abzulesen an unermüdlich Pogo tanzenden Massen zwischen den die Halle teilenden Wellenbrechern. Sie leisteten sich aber auch gedehnte Auszeiten in minutenlangen Moderationen, bei denen pubertärer Witz fließend in Altherrenkalauer übergeht. Aber gerade wenn man glaubt, dass der Rubikon des schlechten Geschmacks unumkehrbar überschritten ist, kriegen sie selbstironisch wieder die Kurve.

Es gab auch musikalisch schwache Momente an einem Konzertabend, der wie so viele andere unter der miserablen Akustik der Festhalle zu leiden hatte. Doch so wie den Ärzten gelingt es kaum einer Band, die Menge mitzureißen: Die wedelte sogar ganz saunagerecht mit ihren Hemden zum Aufguss .

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