Afrikanischer Saiten-Gipfel

Was für eine Stille! So ruhig wie an diesem Abend ist es wohl noch nie zugegangen im Publikum der Weltmusikreihe im Frankfurter Palmengarten. Was auf der Bühne geschieht, ist gänzlich unspektakulär. Von Sebastian Hansen

Drei afrikanische Musiker sitzen einem kammermusikalischen Ensemble gleich auf ihren Stühlen und spielen Saiteninstrumente. Keine Trommeln und auch sonst nichts, was dem Klischee von Afrika entsprechen würde.

Die Stegharfe Kora, Instrument der westafrikanischen Geschichtenerzähler Griots, spielt der aus Mali stammende Sissoko Ballaké. Vom anderen Ende des Kontinents, aus Madagaskar, kommt Rajery, ein Spieler der Bambusröhrenzither Valiha. Das arabische Element trägt der Marokkaner Driss El Maloumi mit der Knickhalslaute Oud ein.

Ein Kontinent, drei musikalische Kulturen. Schon ob ihrer unterschiedlichen Stimmungen sind Kora, Valiha und Oud durchaus nicht füreinander geschaffen. Im vergangenen Jahrhundert wären Migrationsbewegungen die Voraussetzung für eine derartige Begegnung gewesen. Heute trifft man sich einfach im Studio. „3MA“ heißt das Album, das dabei herausgekommen ist und im vergangenen Jahr zu den aufsehenerregenden Neuerscheinungen der Weltmusik gehörte.

Die meist instrumentale Musik mag ein Konstrukt sein, doch sie funktioniert auf ganz fabelhafte Weise. Es handelt sich um eine Musik des steten Flusses. Ostinate Figuren bilden die Grundlage, darüber legt sich die Melodiestimme. Manchmal auch Gesang. Auch er ist instrumental gehandhabt und nur in einzelnen Fällen liedhaft. Die Musik knüpft an lokale Traditionen an, ist aber modern, inklusive des Hintergrunds von Blues und Jazz. Und sogar AC/DC: Auch die Oud vermag deftige Rockriffs hervorzubringen.

Jeder der drei virtuosen Solisten tritt mal hervor, dann ist er wieder Begleiter. Das Miteinander der Stimmen erinnert an die abendländische Kammermusik. Unspektakulärer kann eine Musik kaum sein. Wirkungsvoller auch nicht. Ein leiser Abend – und ein großer.

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