„Aida Night of the Proms“ in der Frankfurter Festhalle

Partyschiff auf Hochtouren

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Einheizer: Hiromi Uehara

Frankfurt - Im 20. Jahr seiner deutschen Erfolgsgeschichte beschert der mittlerweile unter Aida-Flagge kreuzende Partydampfer „Night of the Proms“ in der Festhalle wieder einmal zwei ausverkaufte Jubelabende. Von Peter Müller 

Das bewährte Crossover-Konzept: Pop trifft Klassik trifft große Namen. Und im seligen Finale – „Hey Jude“ – sind alle, inklusive Orchester, Chor und Publikum, auch gern ein bisschen Beatles.

Hätten sich die Herren Studenten van Esbroeck und Vereecke sicher nicht träumen lassen, als sie 1985 in Antwerpen die Idee ausheckten, mal eine „Pop meets Classic“-Fete auf die Bühne zu stellen. Knapp drei Dekaden später ist die daraus gezimmerte Konzertreihe nämlich allen Unkenrufen zum Trotz zur europaweiten Marke gewachsen. Mit treuen Dauerdarstellern, lieb gewordenen Ritualen und munter wechselnden Stars, die bei einem fröhlichen Klassentreffen durch 300 Jahre Musikgeschichte mäandern.

Anheizer: The Baseballs

In Frankfurt, wo backstage natürlich schon eine Riesen-Geburtstagstorte wartet, beschert die bunte Mixtur aus Rossini und Rockabilly, Strauss und Springsteen, Gershwin und Lady Gaga denn auch verlässliche Hochstimmung. Und einen Dreieinhalb-Stunden-Marathon für die ganze Musikfamilie. Die Stamm-Protagonisten: Maestro Robert Groslot mit seinem sportiven Orchester „Il Novecento“, der etwas geschrumpfte Chor „Fine Fleur“ und Urvater John Miles, der am weißen Flügel wie immer die ultimative Proms-Hymne „Music“ als großartiges Gefühlskino inszeniert. Das ist auch exakt einer jener Gänsehaut-Momente, die dafür sorgen, dass jetzt schon hektisch die Tickets für 2014 gebucht werden. Ohne dass die Gaststars bekannt wären. Das sind auf der aktuellen Tour zum Beispiel die ambitionierten Spaßvögel des Trios The Baseballs, die sich mit Lederjacke und Elvis-Tolle an Rock’n’Roll-Versionen von Rihannas „Umbrella“, Gagas „Born This Way“ oder Robbie Williams’ „Angels“ zu schaffen machen. Eine, nun ja, eher durchwachsene Aufwärm-Show. Dafür aber hat der heimliche Top-Act des Abends schon eine grandiose Stippvisite hinter sich: das japanische Wunderkind Hiromi Uehara, die als phänomenale Jazz-Pianistin nur unzureichend beschrieben ist.

Der Punk unter den Tastenkünstlern

Aufheizer mit schottischem Akzent und begnadeter Stimme: Amy MacDonalds Auftritt war das Proms-Glanzlicht.

Die 34-Jährige muss man live erleben. Sie ist so etwas wie der Punk unter den Tastenkünstlern, eine unfassbar talentierte Naturgewalt, die mit atemberaubender Technik und Geschwindigkeit die schnöde „Tom und Jerry“-Titelmelodie oder Gershwins „Rhapsody in Blue“, wahlweise „I Got Rhythm“ zu virtuosen Avantgarde-Kunstwerken improvisiert. Ebenfalls klasse: Amy Macdonald, mit den blauesten Augen, dem schottischsten Akzent und einer der besten Stimmen der Pop-Szene gesegnet, feiert sie „Mr. Rock & Roll“. „This Is The Life“ oder Springsteens „Dancing In The Dark“. Nach der Pause und Rossinis unverzichtbarer „Diebischer Elster“ dann Level-42-Mastermind Mark King, von dem man bis heute nicht weiß, ob er besser Bass spielt oder singt Aber, „Lessons In Love“, „Running In The Family“ oder „Love Games“ gehen immer – vor allem mit perfektem Orchester-Bombast im Rücken. Auftritt John Miles, mehr muss man nicht sagen. Außer, dass sich zum Gefangenen-Chor aus Verdis „Nabucco“ entzückend schunkeln und im Hallenchor balladieren lässt.

Braucht es auch, denn der schönste Mann des Abends wartet: Ex-a-ha-Vorstand Morten Harket. Der spröde Norweger, im hautengen T-Shirt und Röhrenjeans angetreten, wird kein mitreißender Entertainer mehr. Seine mit unverwechselbarem Falsett gemalten Songs wie „Foot Of The Mountain“, „Stay On These Roads“ oder das neue „There Is A Place“ - eher besinnlich-melancholisches Liedgut, das die Party-Laune ein wenig einbremst. Aber gut, ist ja bald Weihnachten, und mehr als „Standing Ovations“ geht eh nicht.

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