Konzert in Frankfurt

Alanis Morissette: Auf Distanz zum Publikum

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Alanis Morissette.

Frankfurt - Sängerin Alanis Morissette wird schon mit Buhrufen in der Jahrhunderhalle empfangen. Es ist symptomatisch für den restlichen Abend. Sängerin und Publikum finden nicht richtig zusammen. Von Markus Schaible

Kaum vorstellbar, dass Künstler mit Buhrufen empfangen werden wollen. Doch Alanis Morissette bettelt bei ihrem Konzert in der Jahrhunderthalle Höchst förmlich darum. Erst muss das Publikum Souleye ertragen, dessen einzige Berechtigung im Vorprogramm wohl ist, dass er Morissettes Ehemann und Vater ihres Kindes ist. Aber der Rapper passt stilistisch so gar nicht in die rockige Welt der Alanis-Fans, und so gibt es auch nur einmal richtig Beifall – als nämlich seine Ehefrau für einen Song auf der Bühne auftaucht. Danach ein Lichtblick: Die deutsche Band Stereolove sorgt mit ihren eingängigen Rocksongs für richtig Stimmung – das Publikum in der fast ausverkauften Halle wäre bereit für einen schönen Abend. Doch dann: eine ohne ersichtlichen Grund schier endlose Umbaupause.

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Morissette hat wenig Zeit für sich

Folge, wie bereits angedeutet: ein lautes Buh-Konzert, als endlich das Saallicht ausgeht. Ob das der Grund ist, warum Frau Morissette die erste Hälfte des Eröffnungs-Songs aus dem Off singt? Natürlich, die Missfallensbekundungen verstummen bald, doch der Beginn ist symptomatisch für den restlichen Abend. Irgendwie finden Sängerin und Publikum nicht richtig zusammen. Die 38-Jährige wirkt immer etwas abwesend, geht kaum auf ihre Fans ein. Stattdessen eilt sie von links nach rechts, von rechts nach links, von links nach ... naja, wohin wohl? So dauert es, bis irgendwann mal so etwas wie richtige Stimmung aufkommt. Bei „Ironic“ ist es, als Morissette (uninspiriert zwar, aber immerhin) das Mikrofon Richtung Publikum hält, das auch sofort lautstark mitsingt.

Musikalisch perfekt

Musikalisch ist das Konzert nahezu perfekt, keine Frage. Höhepunkt sicher: „Uninvited“ aus dem Film „Stadt der Engel“, das in einer wahren Hardrock-Orgie endet, und das akustisch dargebotene „Hand In My Pocket“. Nur: So gut die Begleitmusiker, so wenig hilft das der Stimmung. Zwar mühen sie sich redlich, die coolen Rocker rauszuhängen, hüpfen über die Bühne, nur scheinen sie mehr Spaß mit sich selbst zu haben als mit den Fans.

Die können sich letztlich freuen, die Hits und eine etwas abwesende Alanis Morissette gehört zu haben, deren Stimme immer noch außergewöhnlich gut ist. Eine Alanis Morissette, die sich zumindest artig mit dem Song „Thank U“ verabschiedet. Wobei, so ganz richtig ist das auch nicht: Sie eilt schon vor dem Ende des Liedes mit einem kurzen Winken von der Bühne. Die Verabschiedung überlässt sie ihrer Band.

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