Melancholie lauert unter Oberfläche

Offenbach - Nun wolle man noch feiern, heißt es nach der Zugabe. Keine Ahnung, wie das geendet hat. Musikalisch jedenfalls streben Alcoholic Faith Mission eine exzessive Ausgelassenheit an. Doch unter der Oberfläche der beschwingten Rhythmen lauert Melancholie. Von Stefan Michalzik

Die dänische Popband, die im Offenbacher Hafen 2 gastierte, wurde 2006 von Leadsänger und Gitarrist Thorben Seierø Jensen und Bassist Sune Sølund, zwei Schulfreunden, im New Yorker Stadtteil Brooklyn gegründet; bei dem Namen handelt es sich um die Veralberung des auf einem Schild entdeckten Namens einer Kirche, die sich Apostolic Faith Mission nennt. Das im selben Jahr veröffentlichte Debüt mit dem pessimistischen Titel „Misery Loves Company“ hat das Duo noch am Laptop aufgenommen.

Fünf Bartträger und eine nachgerade klischeehaft skandinavisch wirkende Blondine: Mittlerweile sind Alcoholic Faith Mission auf Sextettstärke angewachsen. Den Kern der Songs bilden folkige Melodiestrukturen. Charakteristisch sind die flächenhaften Chorgesänge, bei denen sämtliche Musiker mittun, sowie bei vielen Nummern der gesangliche Wechsel zwischen dem Hochtöner Thorben Seierø Jensen und Kristine Permid, die gelegentlich auch den Leadpart übernimmt.

Das Klangbild ist hyperopulent. Über das gebräuchliche Popinstrumentarium hinaus gehören Mandoline, Ukulele und Posaune zum Instrumentarium. Letztlich weist diese ein Maximum an Nettigkeit verbreitende Band nicht über die Vorgaben der nordamerikanischen Wegbereiter des Kollektivsounds hinaus. Für ein wohllauniges Konzert sind sie durchaus gut, sollten aber den Mut aufbringen, eine Ballade auch einmal als solche stehen zu lassen anstatt sich immer wieder in ein überschäumendes Getöse zu flüchten.

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