Soul und Dubstep

Alex Clare zu Gast im Capitol

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Offenbach - Der britische Sänger Alex Clare wäre vermutlich als Fußnote in der Geschichte der Popmusik geendet, wäre es nicht seit vielen Jahren Mode, Werbeclips mit Popsongs zu unterlegen. Von Christian Riethmüller

Man hätte sich vielleicht daran erinnert, dass der bärtige Londoner einer der Ex-Freunde von Amy Winehouse war, doch an seine Musik? Selbst seine Plattenfirma hatte ihn ja nach seinem Debütalbum „The Lateness of the Hour“ wegen Erfolglosigkeit wieder vor die Tür gesetzt.

Doch dann kam die Werbung für Windows’ Browser Internet Explorer 9 daher und Clare hatte plötzlich einen Welthit, der es in vielen Ländern in die Top-Ten-Listen und in Deutschland sogar auf Platz 1 der Hitparade schaffte. Und dieser Song, „Too Close“, sollte endlich auch das Interesse am sonstigen musikalischen Tun des 27-Jährigen wecken.

Genres verknüpfen

Der versteht es, Genres zu verknüpfen, die kaum etwas miteinander zu tun haben: Soul auf der einen sowie Dubstep auf der anderen Seite. Clares rauer Gesang, mit dem er auch als Blues-Mann bestehen könnte, trifft hier auf Beats und Sounds aus dem Computer. Was im Studio auf hörenswerte Weise harmoniert, muss auf der Bühne allerdings nicht ohne weiteres zusammengehen. Für seine Konzerte, wie nun im seit Wochen ausverkauften Capitol in Offenbach, hat sich Clare eine kleine Band mit Schlagzeuger, Bassist und Keyboarder zusammengestellt, die den programmierten Klängen und Rhythmen Leben einhauchen soll.

Ragga und Dancehall

Das wollte freilich nicht immer gelingen, was vielleicht auch an der Dramaturgie des Sets lag, das Clare mit den zurückhaltenden Songs „Relax My Beloved“ und „Whispering“ begann, die zudem auf Nummer sicher gespielt wurden. Das mitreißende Geballere etwa des an Ragga und Dancehall erinnernden „Up All Night“ oder auch der Hit „Too Close“ mussten die Musiker zum Ende des neunzigminütigen Konzerts da fast schon aus dem Trott allzu ähnlicher Interpretationen und Rhythmen befreien.

Doch in Richtung Tanzflächen oder Club-Musik scheint Clare auch gar nicht zu schielen. Eine bemerkenswerte Cover-Version von Etta James’ „Damn Your Eyes“ oder auch zwei, drei neue Songs zur Gitarrenbegleitung zeigten einen vielseitigen Sänger, der auch ohne Studiofinessen überzeugt.

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