Alice Coote in der Oper

Atmosphärisch starke Bilder

Frankfurt - Alice Coote bevorzugt das französische Repertoire, wenn sie an der Oper Frankfurt gastiert: Die britische Mezzosopranistin sang auf der Bühne Charlotte in Jules Massenets „Werther“ sowie Margarethe in „Fausts Verdammnis“ von Hector Berlioz. Von Axel Zibulski

Konsequent französisch gestaltete sie nun auch ihren Frankfurter Liederabend mit dem Pianisten Julius Drake: Acht Lieder des Spätromantikers Gabriel Fauré standen am Anfang, und Alice Coote fand einen starken Einstieg, gestaltete schwebende Melodielinien schwerelos, lyrisch fein und innig-intensiv.

Alice Coote ist keine Mezzosopranistin, die mit Druck oder doppelten Unterstreichungen singt. In den sechs Liedern des Berlioz-Zyklus’ „Sommernächte“ („Le Nuits d’été“) ließ sie die atmosphärisch starken Bilder von Schiffen und Rosen, von Lagunen und Gräbern gleichsam instrumental geführt fließen, mit weiten Phrasierungen und tadellosem Legato-Gesang: Dass ihr vor allem in der tiefen Lage einzelne Pianissimo-Töne zu rau ansprachen, war dabei leichter in Kauf zu nehmen als die weitgehend sachdienliche Begleitung des Pianisten Julius Drake. Der Brite schien sich in diesem pianistisch neutral begleiteten Liederabend vor allem auf seine langjährige Erfahrung zu verlassen.

Punktueller Charme und Biss

Vielleicht wäre es dramaturgisch geschickter gewesen, wenn sich Alice Coote im zweiten Programmteil, nach den Liedern von Fauré und Berlioz, stärker auf den Witz und Esprit verlassen hätte, der beispielsweise in Francis Poulencs frecher und als einzige Zugabe wiederholter „Reise nach Paris“ („Voyage à Paris“) anklang.

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Vor allem vier salonhafte Lieder des gebürtigen Südamerikaners Reynaldo Hahn verdoppelten die melancholisch-getragene Haltung der ersten Konzerthälfte, ohne deren musikalisches Niveau zu erreichen. Wo punktuell Charme oder Biss gefragt waren, konnte Alice Coote freilich weitere Facetten bieten: Dunkel getönt und lasziv klang ihr Mezzo in Poulencs „Hôtel“, forsch und direkt in Erik Saties Chanson-Walzer „Je te veux“. Der Applaus am Ende war freundlich, aber auch ein wenig introvertiert - ganz ähnlich wie weite Teile des Programms.

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