Klassischer Aufgalopp mit Klavier

Frankfurt - Für Klassiker hat er ein Händchen. Thomas Hengelbrock entwickelte beim Konzert des NDR-Sinfonieorchesters in der Alten Oper jene gestalterische Intensität, die sinfonisch Geläufiges ohne stilistische Gewaltanwendung in neuen Licht erscheinen lässt. Von Klaus Ackermann

 Auch eine Augenweide war die zierliche Pianistin Alice Sara Ott, deren konzertanter Mozart-Feinschliff ins Ohr ging.

Alice im Salzburger Wunderland: Das in festlicher Dreiklang-Melodik schwelgende Orchestervorspiel von Mozarts Klavierkonzert Nr. 13 C-Dur scheint sich die in München geborene Japanerin förmlich einzusaugen, um das Marschthema immer wieder aufs Neue klanglich zu verwandeln. Blitzsaubere Läufe und eine wie spontan improvisiert wirkende Kadenz – Otts Mozartspiel hat selbst im virtuosen Galopp Substanz.

Tieftönergesang, effektvolle orchestrale Schläge und eine Holzbläser-Arie

Ein feinfühlig ausgesungenes Andante und ein Rondeau mit Überraschungen: Dem herrischen orchestralen Einstieg folgt eine Violinkadenz, ehe das Klavier mit Ohrwurm-verdächtigem Wendungen die Initiative ergreift und bis hin zum kapriziösen Schluss ein Feuerwerk an Tasten zündet. Zum Einstand in Wien hatte der Salzburger Genius alle Register gezogen. Von der lebhaften Klavierfrau für einen begeistert gefeierten Auftritt genutzt, die mit Listzs „Campanella“-Klingelingeling das Tüpfelchen aufs i setzt.

Vorausgegangen ist Rossinis Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“, weidlich abgenutzt, freilich nicht bei Hengelbrock, der das hoch motivierte Orchester ohne Taktstock hinreißend in Szene setzt. Tieftönergesang, effektvolle orchestrale Schläge und eine Holzbläser-Arie, bei der die begleitenden Streicher ihre Instrumente wie Gitarren handhaben, zielen auf das elegant-geschmeidige Hauptthema, das man innerlich mitsummt – eine vorweggenommene Zugabe.

So derb wie hintergründig ist die Zugabe

Starke Affekte und hohe Spannung bei Beethovens Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, der berühmten Eroica, die bei Hengelbrock von harschen Gegensätzen lebt. Gnadenlose Härte und geheimnisvolles Dunkel, ein Trauermarsch, den zärtlicher Streichergesang ablöst, bevor er wie im Wind verweht; ein geisterhaft huschendes Scherzo, bei dessen Horn-Trio die Romantik grüßen lässt, und ein tänzerischer Abgesang, den selbst das Fugato nicht ausbremsen kann. Hengelbrock hält dies alles in wundersamer Balance.

So derb wie hintergründig ist die Zugabe: Das Allegro giocoso könnte Beethoven skizziert haben; es stammt aber von Brahms, aus der Sinfonie Nr. 4.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gabi

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