Alicia Keys in Frankfurt

Keine Frau in Flammen

+
Verhaltener Purismus: Alicia Keys begann ihre Welttournee in der Frankfurter Festhalle.

Frankfurt - Wer sich Alicia Keys live anhört, weiß genau, was er zu erwarten hat: stimmliche Superlative ohne große Bühnenshow. Doch dass schüchterner Purismus trister Zurückhaltung gewichen ist, überrascht insbesondere Besucher früherer Konzerte. Von Barbara Wellmann

Zufriedene Gesichter gibt es trotzdem, denn das letzte Drittel überzeugt.  Bei ihrem Besuch vor drei Jahren dauerte es bis zum Schluss, ehe die Ode an ihre Heimatstadt New York erklang. Dieses Mal wurde der Auftritt in der Frankfurter Festhalle, Auftakt ihrer Welttournee, von der beliebten Ballade „Empire State Of Mind“ eingerahmt. Zu Beginn mit Wolkenkratzerkulisse auf der Leinwand, zum Finale mit viel Stimmkraft im lila Abendkleid. Einer der wenigen farbigen Akzente an diesem Abend.

Alicia Keys bleibt eben doch Puristin, lässt ihre Band häufiger hinter Leinwänden verschwinden, und auch die Tänzer zeigen eher zurückhaltende Choreografien. Das macht nichts. Eigentlich. Immerhin wollen wir Keys, ihre Stimme und das Piano. Pur. Doch das Gefühl fehlt. Emotionen sind anfangs Fehlanzeige. Ebenso vermisst man den Titelsong ihres neuen, sechsten Albums „Girl on Fire“ oder den Chartbreaker „New Day“; beide sollen erst in der Zugabe kommen.

Balladen erzeugen Gänsehaut

Emotionen, die ihr bei Stücken wie „You Don’t Know My Name“ noch fehlen, macht sie jedoch bei Pianoeinlagen zu „Like You’ll Never See Me Again“ mehr als wett. Beim neuen Stück „Tears Always Win“ unterstreicht Alicia Keys, warum sie als „Soul-Wunder“ gilt. Nicht umsonst ist die Sängerin mit Grammys sowie Billboard und MTV Europe Music Awards überhäuft worden. Neue („Brand New Me“) und alte („Doesn’t Mean Anything“) Balladen erzeugen Gänsehaut. Im zweiten Drittel der Show entspannt die Künstlerin. Nimmt zu „Listen To Your Heart“ den schwarzen Hut ab. Der Hüftschwung wird lockerer. Im letzten Akt soll es dann noch lauter werden. Doch ihr Animationstalent begeistert nur ein klägliches Dutzend in den ersten Reihen der mit 7200 Zuschauern besetzten Halle.

Begeistert vom Dancehall-Raggae-Mix

An Flügel, E-Piano oder später am Klavier fühlt sich Alicia Keys besser aufgehoben. Gerade in solchen Momenten zeigt sie, worauf sich ihre Fans bei dieser Tournee freuen dürfen. Der Knoten platzt bei „Un-thinkable“. Die ausverkaufte Festhalle ist von der Stimmgewalt so verzaubert, dass sogar das Entblößen des Waschbrettbauchs eines Tänzers keine Reaktionen im – überwiegend weiblichen – Publikum provoziert. Bei „Sleeping With A Broken Heart“ hält es den ersten Rang nicht mehr auf den Plätzen, während im Innenraum gekuschelt wird. Jetzt drehen sowohl Publikum als auch Sängerin auf. Kaum tragen die Tänzer bunte Hemden zu Alicias Reggaesound, wandelt sich die triste Stimmung. Die Zuschauer sind überrascht und begeistert vom Dancehall-Reggae-Mix in „Murder She Wrote“. Doch ein „Girl on Fire“ war die Soulsängerin an diesem Abend in Frankfurt auf keinen Fall.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare