In alle Herzen gesungen

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Götz Alsmanns dritter Auftritt im Capitol dürfte nicht der letzte gewesen sein. Dies schloss das vielköpfige Publikum aus dem liebevollen Spott, mit dem der Unterhalter Offenbach bedachte.

Offenbach - Götz Alsmanns dritter Auftritt im Capitol dürfte nicht der letzte gewesen sein. Dies schloss das vielköpfige Publikum aus dem liebevollen Spott, mit dem der Unterhalter Offenbach bedachte. So war dem Münsteraner der multinationale und multilinguale Charakter der Fußgängerzone aufgefallen, wo er „Latte matschikato“ serviert bekam. Von Markus Terharn

Als gut erzogener Mensch lobte er aber diese Stadt, die sich eine solche Konzertstätte leiste, wo sie auch „ein Parkhaus, einen Supermarkt oder eine Videothek“ bauen könnte. Ausufernde Conférencen mit Hang zur Geistreichelei waren ein Grund fürs bestens gefüllte Haus. Der wichtigere war die Gelegenheit zur Entdeckung deutscher Jazzschlager, zu deren Botschafter sich der Mann mit der Tolle ernannt hat. An dieser schien der Titel seines aktuellen Programms „Engel oder Teufel“ herbeigezogen; denn wer hätte den Anzug- und Retrobrillenträger je als Putto oder Mephisto betrachtet? Wenn er aber verführerisch schmalzte, er könne beides sein, glaubte das Auditorium Alsmann gern.

Überhaupt waren es schlichte, beseligende Weisheiten, die er im Lied verkündete. „Ich weiß genau, es gibt auf Erden, um glücklich zu werden, für jeden Mann die für ihn bestimmte Frau“, „Du bist und bleibst mein Hauptgewinn“ – das waren Zeiten, als die Dinge so einfach lagen...

Kein Problem, Kollegen den Vortritt zu lassen

Wer das Erfolgsrezept nicht erraten haben sollte, dem verriet es der Musiker bereitwillig: „Rhythmus, Text und Melodie“ waren bei ihm und seinen Mannen tatsächlich „Drei Freunde“. In Rumben, Cha-Chen und Boleren war die Band in ihrem Element. Sie konnte aber auch Westernklänge oder süßen Nachtigallenschlag.

Vorsänger und Pianierkünstler Alsmann hatte kein Problem damit, Kollegen den Vortritt zu lassen. Markus Paßlick, der die ornithologisch korrekte Fassung einer Arie aus Mozarts „Zauberflöte“ mit Piepmätzchen aller Art garnierte, schoss dabei den Vogel ab. Den Exotik-Experten und Perkussions-Perfektionisten stützten Michael Ottomar Müller (E-Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug) sowie Altfrid Maria Sicking (Vibraphon und Xylophon) mit hörbarem Spaß am perfekten Ton.

Unter Aufbietung allen Temperaments, dessen der Westfale fähig ist, sang sich Alsmann in die Herzen der Damen mit mehr oder minder deutschen Vornamen. Mit „Meine Süße“ dürfte sich wohl jede angesprochen gefühlt haben, mit der Zugabe „17 Jahr, blondes Haar“ eher keine. Sich am Klavier oder auf der Ukulele begleitend gab Götz einen Instrumentalisten von staunenswerter Virtuosität. Und das russische „Do swidanja“ hieß bei ihm nicht „Schluss“. Sondern „Auf Wiedersehen“.

„Engel oder Teufel“, die Frage blieb nach reichlich zwei Stunden erwartungsgemäß unbeantwortet. Dafür lag das Urteil der Zuhörer am Ende zwischen „himmlisch schön“ und „teuflisch genial“!

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