Social Distortion brettern mit Karacho durch die Offenbacher Stadthalle.

Allerlei Häppchen für die Subkulturen

Social-Distortion-Frontmann Mike Ness

Wenn Mike Ness und seine legendäre Band Social Distortion aufspielen, finden sich plötzlich kulturelle Milieus unter einem Dach, die sonst allenfalls bei großen Festivals miteinander in Berührung kämen. So standen in der vollgepackten Stadthalle Offenbach Teds neben Skinheads und Rocker neben Punks, ohne sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, um gemeinsam dem unverwüstlichen Ness zu huldigen.

Der blickt auf nunmehr 30 Jahre Punk‘n‘Roll zurück, in denen er nicht nur einmal dem Teufel von der Schippe gesprungen ist. Heroinabhängigkeit, Gefängnisaufenthalte und die Attitüde des Chef-Rebellen nährten zwar schon früh seinen Ruf als Outlaw, förderten aber nicht gerade die Produktivität. Die Werkschau von Social Distortion fällt mit gerade einmal sieben Studioalben vergleichsweise bescheiden aus, verdeutlicht aber sehr gut, warum Ness und seine Band heute so viele unterschiedliche Fangruppen ansprechen. Vom klassischen Los-Angeles-Punk der Anfangsjahre hatte sich die Band ja schnell verabschiedet. Ness ließ seine Liebe zu Country, Blues, Rockabilly und Rock‘n‘Roll in die Songs einfließen, die nun nach Johnny Cash und den Rolling Stones klangen, vorausgesetzt, diese würden schnellen Punk spielen.

Diese Bandbreite war beim Konzert in Offenbach nicht nach jedermanns Geschmack. Wer Punk alter Schule wie „Mommy‘s Little Monster“ mag, wird ein Midtempo-Stück wie „Can‘t Take It With You When You‘re Gone“ als Radio-Rock abtun. Und wer den vorwärts stürmenden Rock‘n‘Roll von „Don‘t Drag Me Down“ liebt, dem ist vielleicht das Johnny-Cash-Cover „Ring Of Fire“ zu langsam.

Die gegensätzlichen Meinungen über die verschieden gewichteten Anteile am Schönen, Wahren, Guten im einstündigen Programm vereinten Social Distortion aber spätestens bei den Zugaben. Der Hank-Williams-Klassiker „Alone And Forsaken“ nahm in Haltung und Thema die große Ness-Hymne „Prison Bound“ vorweg, die der ganze Saal mitschrie, als müsse er geschlossen eine Haftstrafe antreten. Mit Songs wie diesem hat Ness sich in eine Reihe mit verehrten, weil unbeugsamen Vorbildern wie Williams, Cash oder Merle Haggard gestellt. (isi)

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