Element of Crime mit frischem Material auf Deutschland-Tour

Alles wie immer, doch neu

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Probenpause: Die deutsche Band Element of Crime um Sänger Sven Regener (2.v.r.) ist derzeit auf großer Fahrt.

Frankfurt - „Lieblingsfarben und Tiere“ heißt das neue Album der Band Element of Crime. Nun ist das Quartett um den auch als Schrifsteller erfolgreichen Frontmann Sven Regener auf Deutschland-Tournee. Von Detlef Kinsler

Also doch. Sie proben noch. Zu oft wurde in den vergangenen Jahren kolportiert, dass diese eingeschworene Gemeinschaft inzwischen reiferer Herren namens Element of Crime ihre Musik einfach so aus dem Ärmel schüttele. Unaufgeregt und unangestrengt waren dabei gern genommene Attribute. „Wir proben wie die Bescheuerten“, widerspricht Sven Regener, Sänger, Gitarrist und Trompeter dieser Wahrnehmung. „Wir haben schon Radiokonzerte gemacht, dadurch habe ich schon mehr Textsicherheit, weil wir da die ganzen neuen Songs schon gespielt haben. Wenn man in größere Hallen geht, will man ja auch relaxt da reingehen und nicht das Gefühl haben, man habe noch strenge Defizite.“

Mit „Lieblingsfarben und Tiere“ hat die Band seit September ein neues Album auf dem Markt. Zehn frische Songs fürs Zwei-Stunden-Bühnen-Repertoire von Regener, Gitarrist Jakob Ilja, Bassist David Young und Schlagzeuger Richard Pappik. Diesmal bringen sie Saxofonist Rainer Theobald mit. „Man probt ja nicht, damit die Leute hinterher sagen, die haben aber sauber gespielt! Das bringt ja nichts, ist ja kein Wert an sich. Wir sind ja auch eher eine Band, die gerne mal im feinstofflichen Bereich herumgurkt. Und das ist auch gut so. Damit es nicht – wie soll ich sagen – so abgewichst wird.“ Souveränität ja, Lust auf Details sowieso, aber falscher Ehrgeiz, nein danke. Die Fans wissen, was sie an ihren Elements lieben. Kontinuität bei Veränderungen. Bei Grönemeyer hieß das einst verklausuliert „Bleibt alles anders“. „Lieblingsfarben und Tiere“ wurde mit der Band-typischen Lakonie als „alles wie immer, doch neu“ beworben.

Den offensichtlichsten Kurswechsel gab es wohl 1991, als die Berliner nach vier englischsprachigen Alben mit „Damals hinterm Mond“ zur deutschen Sprache wechselten, die Schroffheit Velvet Underground-inspirierter Klänge hinter sich ließ, um die Poesie von Chansons, Jahrmarkts- und Filmmusik zu ergründen. Mal opulent, mal wieder reduziert und karg, dabei immer typisch und unverkennbar „Und auch da haben wir nicht gesagt, wir wollen uns neu erfinden, sonst hätten wir uns ja umbenannt“, glaubt Regener. „Das war ja das Interessante bei ,The Ballad Of Jimmy And Johnny’: Wir hatten dieses eine deutsche Lied, ,Der Mann vom Gericht‘, auf der Platte, und es war genauso Element of Crime wie die englischen Lieder. Wenn wir das nicht so gesehen hätten, hätten wir die Band ja umbenannt. Kontinuität ist etwas, das eine Band erst zu einer Band macht, denke ich. Sonst ist es eher ein ,Projekt‘.“

Für Regener befindet sich Element of Crime in einer privilegierten Position. Eine Institution, die sich nicht zwingend über ein Image definieren muss, sondern mit dem, was sie macht, einfach angenommen wird. „Bei einer Band, die so lange existiert, ist da ja auch oft Thema, dass gefragt wird, sind die denn jetzt noch experimentell oder nicht? Das Interessante ist, dass das bei einer Band gar keine Rolle spielt, ob sie selber sagt, wir sind jetzt experimentell. Was soll das auch sein? Man experimentiert immer als Band, aber das hängt nicht immer als Ladenschild vorne raus“, bezieht Regener Position.

Denen, die dennoch eine Redundanz erkennen, nehmen die Musiker den Wind aus den Segeln. Mit durchaus selbstironischen Zeilen wie „Was ich sagen kann, ist längst gesagt“ oder „Nach 100 Folgen sind alle Abenteuer fad“, um dann gleich zu kontern: „Wiederholungen sind besser als du denkst...“. Regeners Erklärung folgt auf dem Fuße: „Eine gute Band hat einen bestimmten, wieder erkennbaren Stil, dafür ist sie ja auch da. Es macht keinen Sinn ihr vorzuwerfen, dass sie mit sich selbst identisch ist.“ Da sind wir wieder bei den Feinheiten. Wer genau hinhört, erkennt in „Lieblingsfarben und Tiere“ die vielleicht psychedelischste Platte im Element-of-Crime-Katalog. „Das glaube ich auch. Sie ist auf eine Weise sehr bunt, so seltsam bunt.“ Und dies, obwohl ständig schwarze Taxis in einem Text vorfahren... „Manche sagen ja, schwarz sei keine Farbe. Aber ich glaube, die haben Unrecht“, lacht der auch als Schriftsteller („Herr Lehmann“) erfolgreiche Frontmann da.

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