Alte Herren in Hitze des Augenblicks

Anfang der 1980er Jahre war es schlechthin die Supergroup: Asia – von ehemaligen Mitgliedern von Bands wie Yes, King Crimson und Emerson, Lake & Palmer gegründet, um die Massen mit bombastischem Stadionrock zu unterhalten. Von Markus Schaible

Ganze drei Jahre und zwei Platten hielt die Ur-Besetzung Carl Palmer, Geoff Downes, Steve Howe und John Wetton, über Jahre drehte sich das Personalkarussell, doch seit 2005 ist das Original wieder gemeinsam unterwegs. Die Stadien sind längst passé, und auch die Massen wollen nicht mehr kommen, doch das Aschaffenburger Colos-Saal ist gut gefüllt, als die vier alten Herren die Bühne betreten. Wer nun erwartet hatte, sie wären nur als Sachwalter einstiger Erfolge unterwegs, wird schnell eines Besseren belehrt.

Mit „I Believe“ steigen die vier Musiker gleich mit einem neuen Stück ein, etliche weitere folgen. Und zumindest die Songs vom neuen Album „Omega“ fügen sich ganz gut in die Klassiker ein, die es natürlich alle zu hören gibt.

Licht und Schatten liegen eng beieinander an diesem Abend. Die Zeit ist nicht vorübergegangen an den Musikern: John Wetton stößt stimmlich immer wieder an seine Grenzen; manches Mal klingen kurze Passagen schräg; die Spielzeit ist kurz, selbst eine lange Pause benötigen die Vier, die in Halbzeit eins mit angezogener Handbremse agieren. Dafür rocken sie später kräftig los, angetrieben von einem grandiosen Carl Palmer, der sein Schlagzeug malträtiert wie in besten Zeiten. Die Fans sehen Asia die Unzulänglichkeiten nach; es überwiegt die Freude, die Rock-Senioren zu sehen und die Klassiker live zu hören. Und spätestens, als „Heat Of The Moment“ als vielstimmiger Chor ertönt, sind alle restlos zufrieden.

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