Amerikanische Band Paramore überzeugt nicht ganz

Alte Liebe rostet nur ganz allmählich

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Schafft sich: Hayley Williams, Frontfrau der amerikanischen Band Paramore.

Neu-Isenburg - Kurz vor Schluss des Konzerts wird Hayley Williams ernst. Manchmal sei das Leben wunderbar und manchmal überhaupt nicht. Man dürfe sich von Problemen aber nicht runterziehen lassen, sondern müsse so lange gegen sie ankämpfen, bis es einem wieder gut gehe. Von Manuel Schubert

Worauf die Frontsängerin von Paramore anspielt, ist klar: die Trennung von den beiden Brüdern Josh und Zac Farro, die die Band 2010 etwas aus der Bahn warf. Und so ganz haben Paramore den Verlust nicht verkraftet. Das wird beim Konzert in der rappelvollen Hugenottenhalle in Neu-Isenburg einmal mehr klar.

Denn: Als Schlagzeuger und Gitarrist sich aus immer noch unbekannten Gründen verabschiedeten, ging auch ein gehöriger Teil Kreativität flöten. Die Songs des neuen Albums, das, um den Neuanfang zu betonen, genauso heißt wie die Band, können nicht wirklich überzeugen.

Das wird schon zu Beginn klar. Mit „Grow Up“ und „Fast In My Car“, beide neu, legt das Trio los. Doch die Stimmung bleibt verhalten. Schon bei den ersten Takten von „That’s What You Get“ vom Erfolgsalbum „Riot“ (2007) flippt die Menge hingegen aus, springt, tanzt und singt lauter als im Fußballstadion. Als der alte Rhythmus- und neue Lead-Gitarrist Taylor York das Riff von „Decode“ anstimmt, dem wohl bekanntesten Lied der Band, da Teil des „Twilight“-Soundtracks, stößt das größtenteils weibliche und unter 20-jährige Publikum einstimmig einen euphorischen Schrei aus, der durch Mark und Bein geht.

Ein stetiges Auf und Ab

Leider bleibt es bei diesem ständigen auf und ab. Alte Kracher wie „Crush, Crush, Crush“ oder „Pressure“ begeistern wie eh und je. Ebenso „Ignorance“ oder „Brick By Boring Brick“, beides Lieder von „Brand New Eyes“, dem letzten Album, das die Band in Gründungsformation aufnahm. Ein weiterer Höhepunkt ist die wunderschöne Ballade „When It Rains“ aus dem Jahr 2007, die die Truppe aus Franklin/Tennessee wieder ausgegraben hat.

Bei den neuen Werken mag der Funke jedoch nicht so ganz überspringen. Egal, ob „Now“, „Daydreaming“ oder „Ain’t It Fun“ - die Fans singen zwar leidenschaftlich mit, doch so recht können die Songs nicht überzeugen. Es fehlen die genialen Momente, es fehlen die bis ins kleinste Details perfekt ausgearbeiteten Arrangements von früher.

Dabei geben sich Paramore redlich Mühe, allen voran natürlich Sängerin Hayley Williams. Mit roten Haaren und roter Weste, viel Schminke und wenig Farbe im Gesicht sieht sie aus, wie eine bunte Version von Schock-Rocker Marylin Manson, tänzelt jedoch über die Bühne wie ein kleines Mädchen auf einer Sommerwiese. Das Headbangen, das sie früher so exzessiv praktizierte, lässt sie bis auf wenige Momente aber sein. Die 24-Jährige ist kein Mädchen mehr.

Auch ihre Mitstreiter legen sich mächtig ins Zeug und liefern eine saubere Vorstellung ab. Nicht nur die beiden Übriggebliebenen, Bassist Jeremy Davis und Gitarrist York, sondern auch die drei Gastmusiker, Josh Freese (Schlagzeug), Jon Howard (Gitarre, Keyboard, Percussion, Gesang) und Justin York (Gitarre, Gesang).

Sie alle sind bedacht, die Farro-Brüder so gut es geht zu imitieren, was ihnen auch weitestgehend gelingt. Jeder Schlag sitzt, der Sound ist vielschichtig – was auch daran liegt, dass Paramore sowohl die neuen als auch die alten Songs zu sechst performen und nicht mehr zu fünft, wie früher.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Generell ist fast alles klasse, was da aus den Boxen kommt: laut, knackig und die nötige Portion Bass. Doch auch hier gibt es Abstriche bei der Endnote. Denn Williams’ unverwechselbare Stimme klingt alles andere als rockig. Wer auch immer daran Schuld sein mag – es ist zum Verzweifeln. Alles, was die kleine Frontfrau von sich gibt, klingt dünn und piepsig. Von Rock-Röhre keine Spur. Oft kann sich ihre Stimme gar nicht gegen die geballte Power aus den Verstärkern durchsetzen.

So wirklich enttäuscht wirkt jedoch kaum jemand im Publikum, als es zur letzten Zugabe „Still Into You“ (mit Abstand bester Song auf der neuen Platte) Konfetti regnet.

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