Alte Musik mit Kabarett aufgepeppt

Das Gesamtwerk von Georg Philipp Telemann ist riesig, die Zahl seiner erhaltenen Stücke immens. Kritiker mögen musikalische Meterware bemängeln – doch der Vielschreiber konnte sein Publikum überraschen. Von Axel Zibulski

Sein Konzert e-Moll (TWV 52:E1) besticht durch aparte Kombination von Block- und Querflöte sowie die finale Wendung in spanische Gefilde.Als dieses Konzert für zwei Flöten im Sendesaal des Hessischen Rundfunks erklang, ließ Gast-Dirigent Jean-Christophe Spinosi das hr-Sinfonieorchester am Ende im Takt mitstampfen. Es hätte dem korsischen Energiebündel wohl gefallen, wenn sich das Publikum angeschlossen hätte.

Spinosi würzt Alte Musik mit Kabarett. Optisch, wenn er mit seinem Einsatz wartet, um den Notenständer wegzuräumen; akustisch, wenn er die Schein-Schlüsse im zugegebenen, brummelnden Finale von Haydns 82. Sinfonie („Der Bär“) so verführerisch auskostete, dass am tatsächlichen Ende niemand zu klatschen wagte. Vielseitig ist er zudem: Telemanns Konzert spielte er auf der Violine mit. Luis Benduschi (Blockflöte) und Clara Andrada de la Calle (Querflöte) klangen angenehm synchron.

Zurückhalten kann sich Spinosi ebenfalls. In vier Arien aus Antonio Vivaldis Oper „Orlando furioso“ stand die serbische Altistin Marijana Mijanovic im Zentrum. Mit fast maskuliner Tiefe startete sie ihren Emotions-Ritt, sang von zornigen Wolken, grausamen Göttern und lichtlosen Welten mit furios sicheren Koloraturen.

Furios klangen auch Werke Mozarts. Fein durchgearbeitet die emanzipierten Holzbläser in der Ouvertüre zu „Così fan tutte“, vital und bei aller historischen Informiertheit nie trocken die Haffner-Sinfonie D-Dur KV 385. Mitgerissen war nicht nur das Publikum, sondern auch das hr-Sinfonieorchester. Eine Wiedereinladung Spinosis dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

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