Musikalischer Grandseigneur

Frankfurt - Als in der Höchster Jahrhunderthalle noch seriöse klassische Konzerte stattfanden, gehörten die Bamberger Symphoniker zu den Stammgästen.  Mittlerweile nennt sich das Orchester „Bayerische Staatsphilharmonie“. Von Axel Zibulski

Die Bayerische Staatsphilharmonie stellte in der Frankfurter Alten Oper einmal mehr seine hohe Kompetenz unter Beweis.

Der 84-jährige Herbert Blomstedt am Pult der Franken leitete Felix Mendelssohns Violinkonzert und Anton Bruckners neunte Sinfonie mit der Eleganz, Verbindlichkeit, aber auch Präzision eines musikalischen Grandseigneurs. Und das Orchester trug diesen Ansatz so aufmerksam und genau mit, dass Schönheit nie mit Ausdruckslosigkeit, Gemessenheit nie mit Spannungsarmut in Verwechslung geriet. Man lauschte nicht nur respektvoll, sondern auch gebannt.

Khachatryans Spiel glänzte und strahlte

In der Aufführung von Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester e-Moll stand dem noch immer agil und zielstrebig aufs Podium eilenden Dirigenten mit dem Armenier Sergey Khachatryan ein fast 60 Jahre jüngerer Solist zur Seite. Musikalisch blieb die Aufführung des romantischen Klassikers unter den Violinkonzerten dennoch eine hoch symbiotische Angelegenheit: Khachatryans Spiel glänzte und strahlte, in sich ruhend, bereits im ersten Satz – ohne vordergründig effektvoll angeraute Töne, ohne aufdringliches Vibrato, vielmehr rein, natürlich, unbeschwert.

Den lyrisch feinen Untergrund für den langsamen Satz bereiteten die Bamberger Symphoniker vorzüglich, das Finale legten Solist und Orchester vital, zügig, aber nie gehetzt oder forciert aus.

Das Orchester folgte passioniert

Zu den Dirigenten, die im Alter auffallend langsame Tempi bevorzugen, gehört Herbert Blomstedt nicht: Seine Interpretation von Bruckners letzter Sinfonie Nr. 9 d-Moll, dreisätziges Fragment geblieben, wirkte kompakt, bündig, nie bloß schwelgerisch. Extreme vermied er, sogar die dynamischen Gipfel des ersten Satzes klangen gerundet, nicht outriert, die Blechbläser fesselten mehr mit kultiviertem als mit bloß kraftvollem Spiel; der Eindruck von Geschlossenheit und Organik verstärkte sich dadurch noch.

Die grell stampfenden Akkord-Wiederholungen im Scherzo profilierte Blomstedt gleichwohl, und das finale Adagio gewann, so bündig und kompakt es Herbert Blomstedt auch auslegte, durch vorzüglich ausgeformte Streicher-Hymnik an bezwingender Schönheit. Das Orchester folgte passioniert, auch wenn man ahnt: Beim nächsten Konzert unter Chefdirigent Jonathan Nott kann dasselbe Orchester schon wieder ganz anders klingen.

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