Slowaken mit hohem Drehmoment

Frankfurt - Die Ouvertüre zu einem Trauerspiel, ein Klavierkonzert der kernigeren Art, Geisterspuk und eine klangliche Ansichtskarte: Mit Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und dem Dirigenten Volker Schmidt-Gertenbach hatte die Cappella Istropolitana beim ADAC-Konzert starke Verbündete. Von Klaus Ackermann

Dabei zeitigte der Respekt vor dem großen Klassiker eher Zurückhaltung, während das Orchester aus Bratislava beim Romantiker Fahrt aufnahm. Solist in Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll ist der Moskauer Alexander Malter, als Mitglied des Vincent Trios der Berliner Philharmoniker auch in Sachen Kammermusik auf Achse. Nach schulmäßiger Orchester-Einleitung entwickelt sich ein kerniges, dynamisch kontrastreiches Beethoven-Spiel an Tasten, romantisierend bei behaglichen Tempi und mit virtuosem Arpeggien-Gerausche bei der Themen-Neuverwertung in der Kadenz. Das hat bis ins fetzige Rondo mit seinem aparten Klarinetten-Trio hinein Hand und Fuß. Seinen Sinn für sensible Stimmverläufe offenbart Malter zudem in dem Prélude für die linke Hand von Alexander Skrjabin.

Zum Auftakt hatte die „Egmont“-Ouvertüre in Bann gezogen. Grüblerische Gedanken, rezitativisch artikuliert, zum Beginn und Energie geladene orchestrale Passagen zwischen Moll und wie befreiend wirkendem Dur - das tönt in klassischem Ebenmaß, allenfalls auffällig sind markante Hornquinten.

In südliche Gefilde scheint schon der Geisterspuk im Scherzo aus Mendelssohns „Sommernachtstraum“ zu entführen, die Cappella mit elastischen schnellfingrigen Passagen offenbar in ihrem Element. Endgültig leuchtet die Sonne in der Sinfonie Nr. 4 A-Dur, der sogenannten „Italienischen“, mit einem Ohrwurm-Thema und klarer Sicht auf vielstimmige Gegebenheiten. Mit kurzen Ausflügen in nordische Gefilde, wie es das fein ausgesungene volksliedhafte Andante con moto suggeriert.

Ebenfalls grüßen lässt die deutsche Romantik in edlen Hornrufen. Der virtuose finale Muntermacher stammt freilich wieder aus Italien, ein rasanter, pfiffig artikulierter Salatrello, die orchestrale Kapazität voll ausreizend. Der stramme Arbeitstag für die Cappella Istropolitana geht mit einem Slawischen Tanz von Dvorak als Nachschlag zu Ende. Zwei Konzerte mit final hohem Drehmoment an einem Tag – bei deutschen Orchestern wäre das kaum denkbar.

Rubriklistenbild: © Claudia Hautumm/pixelio.de

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