„Die Schöne und das Biest“

Ein Duft von Paprika

Herzallerliebste Kostüme für das verzauberte Schlosspersonal schaffen magische Momente.

Frankfurt - Herz und Schmerz, geziemender Grusel mit Schock-Effekt, Märchenzauber und eine Musik, die vielen zusagt: Das Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ hat alles, was man für spannende dreistündige Unterhaltung braucht. Von Klaus Ackermann

In Frankfurts Alter Oper stachen schon zur Premiere diese Trümpfe - vom Budapester Operettentheater auf Deutsch mit charmantem Akzent ungemein temperamentvoll und musikalisch zündend ausgereizt. Die Theaterleute drückten Disney ihren Stempel auf: Paprika-Duft lag in der Luft. Durch und durch ungarisch also diese Geschichte um einen kaltherzigen Prinzen, der in ein Biest verwandelt wird. Nur die Liebe eines Mädchens kann den Zauber brechen. Das erscheint zwar alsbald auf der Suche nach ihrem Vater im Spukschloss, doch es dauert zum Glück noch, bis das hässliche Biest in sich geht - und die Schöne gewinnt.

Fantasy ist angesagt – in zwischen finsterem Schloss und Pariser Ansichten schnell wechselnder Kulisse und in herzallerliebsten Kostümen, die vor allem beim ebenfalls verzauberten Schloss-Personal für magische Momente sorgen. Da gibt es einen Herrn von Unruh (Tamas Földes), der in eine Standuhr verwandelt wurde und angelegentlich ticktackt. Oder die Madame Pottine (Lilla Polyak), eine fantastisch singende Teekanne. Natürlich heißt ihr Sohn Tassilo, denn Balint Csösz ist schließlich eine Teetasse. Nicht zu vergessen den herrlich französisch näselnden Kerzenständer Lumière (Adam Balint) oder die Kommoden-Frau de la Grand Bouche, eine ehemalige Operndiva, was Ildikko Sz. Nagy mit ein paar Koloratur-Takten von Mozarts „Königin der Nacht“ („Zauberflöte“) unterstreicht.

Temperamentvoll und präzise auf die Musik abgestimmt, zeitgleich vom Budapester Musicalorchester (Leitung: Laszlo Maklary) aus einem Nebenraum der Alten Oper zugespielt, sind die Tanzeinlagen. Ob nun Walzer, Tango oder angedeuteter Can-Can – immer scheint der Csardas nahe. Und in der spritzigen Kneipenszene, wenn der von Belle abgewiesene selbstverliebte Gaston (stimmstark: Attila Nemeth) seinen Frust ablässt, sind artistische Stunts zu erleben, auf die sich auch sein quirliger, komisch aufdrehender Kumpel Lefou (Laszlo Santa) versteht.

Die Kampfszenen mit personifizierten Wölfen haben Filmformat – Regisseur György Böhm drückt zwischen Sentiment und Thriller ganz schön auf die Tube. Und er hat Hauptdarsteller, die das rüberbringen. Als Belle ist Kitti Jenes mit angenehmer Naturstimme unterwegs, anrührend, aber auch das raffinierte Weibchen. Während das Biest (Sandor Barkocy) gut gestützt zu brüllen versteht, wie es nach vollzogener Wandlung, die es in sich hat, einen strahlenden Operettentenor offenbart.

Nebenbuhler Gaston hat das mittlerweile zum Gutmenschen mutierte Ungeheuer gnadenlos erstochen, es entschwebt gen Bühnenhimmel, kehrt als Prinz zur Erde zurück und schließt seine Belle in die Arme. Dann hat die Regie endgültig nach Hollywood umgeschaltet. Zu den Pfefferminz-Akkorden des orchestralen Soundtracks rieseln bunte Blumen von oben. Zu schön, um wahr zu sein. Doch gerade diese feine Ironie macht das Disney-Weihnachtsmärchen so griffig. Aufführungen gibt es noch bis 6. Januar in der Alten Oper Frankfurt.

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