Salzburger Melange

Frankfurt - Mit Mozart ist das Mozarteum Orchester sozusagen auf Du und Du. Und weil die Salzburger von dem historisch bestens informierten Ivor Bolton dirigiert werden, wirkt die Musik des genialen Tonsetzers authentischer denn je. Von Klaus Ackermann

Beim Pro-Arte-Konzert in der Frankfurter Alten Oper wies zudem die weltweit geschätzte und vielseitige Sopranistin Annette Dasch einmal mehr nach, was für eine begnadete Mozart-Sängerin sie ist.

Für den auch im Fernsehen moderierenden und in Bayreuth als Elsa im „Lohengrin“ für Furore sorgenden Berliner Gesangsstar gewissermaßen ein Heimspiel. Denn Frankfurt ist Annette Daschs Wahlheimat, ihr Ehemann singt im hiesigen Opern-Ensemble. Kein Allerweltsprogramm: Schon in „Non piu di fiori“ aus Mozarts Opera seria „La Clemenza di Tito“ nimmt eine Stimme gefangen, die das Hoffen und Bangen um Gnade eines großmütigen Herrschers jener schuldbewussten Vitellia förmlich durchlebt. Und bei emotional hoher Temperatur auch noch die Koloraturen-innige Kunstfertigkeit herausstellt.

Ungewöhnliche Besetzung

Schon beim orchestral begleiteten Rezitativ ist man gleich mittendrin in unseliger Gefühlslage. Die Schmerzensarie, bei der Dasch immer natürlich wirkende Spitzentöne nutzt, wie sie über eine ungemein tragfähige Tiefe gebietet, wird vom Bassetthorn virtuos figuriert, einem Mitglied der Klarinettenfamilie. Während in „Szene und Rondo für Sopran mit obligatem Klavier“ der in Salzburg wirkende Pianist Gianfranco Sannicandro mit Dasch in intensive Zwiegespräche tritt. Die ungewöhnliche Besetzung ist zudem ein Beleg, das Mozart mit seiner ersten Susanna („Figaros Hochzeit“), der gefeierten Primadonna Nancy Storace, mehr als nur beruflich verbandelt war, für die er dieses Opus geschrieben und im Konzert auch den Klavierpart übernommen hat.

Hochgefühle allenthalben, ein von verminderten Septakkorden dominierter schmerzlicher Abschied der Engländerin aus Wien, von dem nur selten – und dann sehr bewusst – ins Dramatische wechselnden feintimbrierten Sopran in schöner Harmonie mit dem Mozarteum Orchester zelebriert. Mozarts Lied vom um Liebe bettelnden, aber achtlos zertretenen „Veilchen“ ist als Zugabe schon obligat, bei Dasch empfindsame Klangprosa, mit dem gewissen Augenzwinkern gebracht.

Im Ohr ist noch die musikalische „Windmaschine“

Auf solch apollinisches Ebenmaß hatten Bolton und sein von Bläsern verstärktes Kammerorchester schon in den Zwischenaktmusiken zu „Thamos, König in Ägypten“ eingestimmt, typischer Mozart-Ton zu einem erfolglosen und daher zu Recht vergessenen Drama. Der Brite, ein exzellenter Motivator, der Musik auf dem Quadratmeter-großen Dirigierpult vorlebt, setzt auf frische Tempi, einen festlichen Bläser-Durchzug und verschmäht auch den ironischen Schlenker nicht. Im Ohr ist noch die musikalische „Windmaschine“ als theatraler Effekt und eine sangbar gemachte Oboen-Serenade.

Auch bei Schuberts jugendfrischer Sinfonie Nr. 6 mit ihren Mozart-Anmutungen haben die Holzbläser ihren großen Tag, hier die Querflötistinnen mit pfiffiger Artikulation. Wie Bolton und das stimmlich so geschmeidige Mozarteum Orchester mit seinen „historischen“ Blechblasinstrumenten den insistierenden Schubert-Schlagern immer neue Strophen folgen lässt, das hält munter. Und mit der zugegebenen „Clemenza di Tito“-Ouvertüre könnte das Konzert von vorn beginnen.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare