Tanzender Taktstock

Frankfurt - Wenn Kristjan Järvi dirigiert, pulsiert der Rhythmus. Beim jüngsten Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt gab sich der aus einer großen Dirigenten-Dynastie stammende Este wieder ausgesprochen spanisch informiert. Von Klaus Ackermann

Iberisches Lebensgefühl in Werken von Maurice Ravel, Manuel de Falla und Carlos Chávez ergründend. Spanisch getönt ist zudem das Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll des Franzosen Édouard Lalo, mit dem der Münchner Johannes Moser einmal mehr unterstrich, dass er zu den Top-Solisten auf diesem Instrument zählt.

Seine Spanien-Liebe hat der Impressionist Ravel nicht nur im „Bolero“ verewigt. Auch „Alborada del gracioso“, ursprünglich für Klavier geschrieben, wirkt wie die Essenz iberischen Volkstanzes, klanglich eingedampft und rhythmisch wohl dosiert abgelassen. Bei Järvi und dem auf spanischen Akzent geeichten Opern- und Museumsorchester kommt dieses „Morgenlied eines Narren“ so elegant wie in den Soli souverän rüber, der dynamische Knaller inbegriffen.

Ein dankbares Solistenstück

Mit seinen rhapsodischen Schüben scheint Lalos Cellokonzert eher eine Fantasie, auch der Spanienmode seiner Zeit huldigend, des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Moser kniet sich förmlich in die markanten Soli, mal wie rezitativisch angelegt, mit harten orchestralen Schlägen geerdet, mal ein milder Dialog mit fein geterzten Querflötenstimmen, mal virtuose Arabeske, die beherzten Tänze von Schlagwerk-Könnern garniert – und immer im sehnsuchtsvollen Moll.

Ein dankbares Solistenstück, bei dem im scharf akzentuierten Finale die Hörner mächtig aufdrehen. Die Sarabande aus der Solosuite von Johann Sebastian Bach wirkt beschwichtigend, von Moser auf seinem Guarneri-Cello wie eine Kostbarkeit gepflegt.

Auch nach der Pause ist spanisch Trumpf. Bei Szenen und Tänzen aus dem „Dreispitz“-Ballett von Manuel de Falla (1876-1946), klanginnige Porträts des gutmütigen, aber hässlichen Müllers und seiner liebreizenden Frau, die von einem Stadtrichter bedrängt wird, dessen Hut Zeichen seiner Macht ist. Das iberische Idiom entlädt sich in einem zündenden Schlusstanz, den Jota, so zwingend aufgeladen, als seien die Orchestermitglieder in Andalusien daheim.

Dagegen scheint die „Sinfonia india“ des Mexikaners Carlos Chávez (1899-1978) authentisch, deren schlichte Melodik um einen Zentralton zirkuliert. Musik der Ureinwohner im hymnischen Format, aber auch mit ostinaten Figuren unterlegt, die einen rhythmischen Sog bewirken. Da ist nichts abgekupfert und auf Edel getrimmt worden – Folklore hart an der musikalischen Realität. Schön und gut, aber auch schnell wieder vergessen. -

Rubriklistenbild: © Oliver Weber /pixelio.de

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