The Get Up Kids

Der alte Zauber ist noch da

Comeback-Versuche einstmals verehrter Bands sind diffizile Angelegenheiten. Wirkt der alte Zauber noch oder wird das Vermächtnis mit Füssen getreten? Fans der amerikanischen Emo-Rock-Gruppe The Get Up Kids konnten am Donnerstagabend nach dem Konzert in der vollgepackten Batschkapp in Frankfurt befriedigt nach Hause gehen - der alte Zauber ist noch da. Von Christian Riethmüller

Als sich das Quintett aus Kansas City im Juli 2005 auflöste, um fortan in Projekten wie den New Amsterdams oder Koufax zu werkeln, war die Verblüffung ohnehin groß. Immerhin schien damals der große Durchbruch für die Band, die schon lange zu den Favoriten der Emo-Szene gehörte, ganz nah. Die hochmelodischen und energetischen Songs der Band wiesen ohnehin weit über das Genre hinaus und gefielen auch Menschen, die für Skateboards und BMX-Räder vielleicht schon zu alt waren, amerikanischen Indie-Rock in der Tradition der Replacements und im Stile von Weezer aber sehr wohl zu schätzen wussten.

Vielleicht waren aber die Get Up Kids nach endlosen Touren ihrer Songs überdrüssig geworden, weil das Publikum vor allem nach dem ebenso furiosen wie gloriosen zweiten Album „Something to Write Home About“ (1999) schrie, das längst zum Klassiker geworden ist. Damals war gerade Keyboarder James Dewees zur Band gestoßen, der dem Sound neue Facetten verlieh, ohne die Emocore-Gemeinde ganz zu verprellen.

Auch heute noch sorgt Dewees für den etwas anderen Ton inmitten der Gitarren-Breitseiten. Ein weiteres Plus der Band ist der Umstand, mit Matthew Pryor und Jim Suptic eigentlich zwei gleichberechtigte Sänger an der Front zu haben, auch wenn Pryor beim gut 80-minütigen Auftritt die Hauptlast trug.

Zu hören gab es vor allem die Knaller vom „Something…“ wie etwa „Holiday“, „I‘m a Loner, Dottie, a Rebel“ oder das noch immer famose „Ten Minutes“, das in den vergangenen zehn Jahren nichts von seiner Wucht eingebüßt hat. Der Hitze und vielleicht auch des eigenen Alters wegen traten die Get Up Kids bisweilen auf die Bremse, um der schwitzenden Menge etwas Zeit zum Verschnaufen zu geben. Allzu wilde Pogo-Rempeleien oder das eigentlich obligatorische Crowd-Surfen blieben am heißesten Tag des Jahres vernachlässigte Disziplinen. Die Freude über ein willkommenes Comeback war schweißtreibend genug.

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