Elton John vor Wiesbadener Kurhaus

Altmeister gut gelaunt im Garten

Mit den Hits „Funeral For A Friend“ und „Love Lies“ eröffnete Elton John sein Konzert auf dem Bowling Green am Kurhaus.

Ein Sommerabend mit einem altgedienten Pophelden unter freiem Himmel – das versprach magische Konzertmomente. Auch Piano-Altmeister Elton John wurde von der Partystimmung auf dem Bowling Green vor dem Wiesbadener Kurhaus angesteckt. Gut gelaunt begann er mit seinem „Garten-Konzert“ eine kleine Tournee durch Deutschland – und enttäuschte die Mehrheit der Zuschauer und -hörer sicher nicht.

Schnell wurde deutlich: Tausende auf den Wiesen vor dem Eingang, eine auffällige Dinner-Gesellschaft, die sich mit Gartenmobiliar und ganz in Weiß gekleidet auf der Wilhelmstraße häuslich niedergelassen hatte, und begeisterte Fans auf dem Rasen vor der Bühne sorgten dafür, dass der Auftritt der Musiklegende zu einem Mega-Ereignis für die hessische Landeshauptstadt wurde.

Er trat dabei so auf, wie ihn ganze Generationen seit jeher kennen: Ein langer Gehrock mit glitzernden Mustern und etwas unbeholfene Verrenkungen in Richtung Publikum. Bereits beim zweiten Song „Saturday Night’s Alright“ stand das Publikum auf und klatschte im Takt. Eine Momentaufnahme, diszipliniert nahm man wieder Platz. Aber spätestens nach Hits wie „Sacrifice“ hatte der Engländer die Fans wieder erobert. Rollende Klavierakkorde, Gefühle von Trauer, Boogie-Woogie-Läufe, aufheulende Gitarrensoli – die Zeitreise durch seine 40-jährige Karriere sorgte immer wieder für Begeisterung. Die Lang-Version von „Rocket Man“, „The Bitch Is Back“, „Daniel“, „Crocodile Rock“ und „Sorry Seems To Be The Hardest Word” – ach ja, das waren die Chart-Stürmer vor etwa 30 Jahren. Kaum zu glauben: Mit Bernie Taupin schrieb Elton John 23 Top-40-Hits, 15 Top-Ten-Singles und fünf Nummer-1-Hits.

Und fürs Gefühl hatte der Sir schon immer ein Händchen. Viele seiner Songs, wie „Candle In The Wind“, sind inzwischen zwar „abgenutzte“ Schmachtfetzen, doch Elton John schafft es vor allem mit dieser Ballade stets aufs Neue, einen Augenblick emotionaler Fülle zu erzeugen. Das Stück hatte er erst vor wenigen Tagen in London nach dem plötzlichen Tod Michael Jacksons gespielt. Über die Pop-Ikone, seinen langjährigen Freund, schwieg sich John in Wiesbaden aber aus.

Ausgezeichnete Musiker präsentierten ihr Können, darunter Schlagzeuger Nigel Olsson, schon 1969 Mitglied der Band, und Keyboarder Guy Babylon. Trotzdem blieb ein Beigeschmack. Vielleicht war es die große Routine, die lange Erfolgsgeschichte, aber der Eindruck verstärkte sich: Manches wurde weitgehend inspirationsfrei runtergerockt. Das mag auch an den Zuschauern gelegen haben, denn richtig in den Bann zog der für einen Tag nach Wiesbaden eingeflogene Star nur die vorderen Reihen an der Bühne.

Versöhnlich der Abschluss: Nach den Zugaben „I’m Still Standing“ und „Your Song“ bescherte bei klarem Nachthimmel ein mehrere Minuten langes Feuerwerk über dem Kurhaus einen stimmungsvollen Ausklang. Weitere Konzerte des 62-Jährigen gibt es in Nürnberg (4. Juli) und in Stuttgart (5. Juli).

PETER SCHULTE-HOLTEY

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