Altmodisch im besten Sinn

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Die letzte wahre Punkband:Kitty Ahoi.

Offenbach - Die meisten Musiker, die im Offenbacher Hafen 2 auftreten, stammen aus den USA oder Skandinavien. Aber auch für wunderbare Blüten aus der Nähe zeigt der in Geschmacksfragen gemeinhin zuverlässige Klub immer wieder ein Herz. Von Stefan Michalzik

Das weibliche Quintett Kitty Ahoi! aus Offenbach und Frankfurt, das in farblich abgestimmten Klub-Blusen aus Satin auftritt, klebt sich in Peaches-Manier Bärte und Riesen-Koteletten an, eine Musikerin gar eine fellartige Brustbehaarung. Kitty Ahoi! spielen mit Überschreitung der Geschlechtergrenzen. Launigkeit geht über Perfektion.

Die letzte wahre Punkband

Die Band bezieht sich auf den Punk, die Ramones dürften zu ihren Favoriten zählen. Mit dem konzeptionellen Pop-Feminismus der Riot Grrrls dürften sie allenfalls sympathisieren, es geht ihnen wohl zuallererst um ungetrübte Partylaune. Daher steht ihnen eher der Funpunk nahe, was an ihren in amüsanter Weise respektlosen Zerstörungen von Dean Martins schmalziger Croonerballade „Everybody Loves Somebody Somehow“ oder dem im Original hochglanzpolierten 80er-Jahre-Schinken „The Sun Always Shines On TV“ von a-ha abzulesen ist. Das ist in seiner Do-It-Yourself-Attitüde putzmunter, auf seine Weise ausgefuchst, sympathisch und garantiert innovationsfrei.

Auch das Offenbacher Trio Science Fiction Army steht dem Punk nahe, freilich eher der Evolutionsstufe des kalifornischen Hardcore. Derweil bei Kitty Ahoi! Gitarrensoli in einem guten alten Punk-Konservatismus als verpönt gelten, hat das Gegniedel im trockenen Sound von Science Fiction Army seinen festen Platz. Alles wirkt staubtrocken und harsch, die Stücke sind kompakt: Auf ihrem dritten Album „Booms“, in diesem Jahr herausgekommen, haben sie elf Songs in 23 Minuten gepackt.

Pogo-Parade

Science Fiction Army sind eine der letzten Bastionen des Rotationsprinzips: Jeder der drei Musiker wechselt reihum an jedes Instrument; lediglich der Sänger lässt das Schlagzeug aus. Nur vereinzelt kommt der Synthesizer ins Spiel. Ein vor der Bühne exzessiv Pogo tanzender Gorilla gehört zur Show. Die Songs lassen viel Ambition und guten Schliff erkennen.

Beide Bands wirken wie aus der Zeit gefallen. So unterschiedlich die Ansätze sind, hier wie da wird extrem altmodische Musik gespielt. Nostalgisch wirkt das ob seiner Frische nicht die Spur!

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