Buß- und Bettagskonzert in Offenbach

Mit Andacht zur Erbauung

Jürgen Blume hielt die Buß- und Bettagstradition hoch. Dazu scharte er in der Offenbacher Johanneskirche Studenten und Absolventen seiner Mainzer Musikhochschule um sich, um barocke Kompositionen aufzuführen, die selten zu hören sind. Die kleine Besetzung entsprach der Situation, die Heinrich Schütz bei der Dresdener Hofkapelle vorfand, in die der Dreißigjährige Krieg Lücken riss. Aus der Not gab er 1639 die „Kleinen Geistlichen Konzerte“ heraus, 1647 die „Symphoniae sacrae“, aus denen vier Meisterwerke erklangen. Dazwischen setzte Blume virtuose Kammerkantaten aus Georg Philipp Telemanns „Der harmonische Gottesdienst“.

Schütz’ „Der Herr ist meine Stärke“ sang Sopranistin Johanna Rosskopp, während ihr Gatte Florian Rosskopp „Ich liege und schlafe“ und „Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschweret“ in Basslage zum Ereignis machte. Das Klangbild mit Juliane Gutjahr (Altblockflöte) und Irina Borisova (Violine) sowie Christine Wunsch (Violoncello) und Blume (Cembalo) als Continuogruppe verbreitete Andacht und Erbauung. Da fiel anfängliche Nervosität der Sängerin und Violinistin kaum ins Gewicht.

Bass Rosskopp machte hörbar, warum er Preisträger eines internationalen Oratorienwettbewerbs in Rom ist. Dazu arbeitete der Generalbass im konzentrierten Dialog präzise, die Flötistin spielte makellos, Tempowechsel gelangen flüssig. Gut zu hören, wie italienische Mehrstimmigkeit in deutscher Deklamation an Ausdruck gewann.

Der in Frankfurt und Hamburg als Musikdirektor wirkende Telemann setzte andere Akzente. Die Synthese aus französischer, italienischer und englischer Musikmalerei mündete in unerschöpfliches Formrepertoire. Seine Triosonate d-Moll gefiel durch wiegende Tanzschritte, lebhafte Sprünge, filigrane Polyphonie, herrliches Melos und Finale im Contredance-Stil. Die Flötistin spielte ihre Virtuosität aus, während die Violine diffizile Läufe bewältigte. Bei den Kammerkantaten „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ und „Wandelt in der Liebe“ begeisterte die Sopranistin mit schöner Stimme, ausdrucksvollen Rezitativen und perfekten Koloraturen.

„Locke nur, Erde“ zählte zu den Höhepunkten: Das lockvogelartige Tirilieren der Blockflöte, das Dem-Kreuz-des-Heilands-Folgen in Flöte und Sopran und das Verstummen des Basses bei „Verlass den Bau der ird’schen Hütte“ begeisterte ebenso wie Johanna Rosskopps Rezitativ „Verstummet nur, verkehrte Lehrer“. Damit meinte sie keinesfalls den geschickt leitenden Blume! REINHOLD GRIES

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