„Dumm wie Bohnenstroh“

Hausbesuch bei Ian Anderson

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Ian Anderson

Mainz - Oh ja, er hat nichts verlernt. Der mittlerweile 65-jährige Ian Anderson, immer noch genialer Kopf und Frontmann der Band Jethro Tull, enttäuschte beim Konzert in der Mainzer Phönix-Halle seine ebenfalls in die Jahre gekommenen Fans nicht. Von Karl-Heinz Otterbein

Fast wie in alten Zeiten fegte Anderson flötenspielend über die Bühne, zeitweise spielte er das Instrument auf einem Bein stehend, was von den Fans begeistert gefeiert wurde.

Anderson und seine fünf Mitstreiter hatten in Mainz ein besonderes Bonbon im Gepäck: Sie präsentierten das im Jahr 1972 als Konzeptalbum erschienene Werk „Thick as a Brick“ (dumm wie Bohnenstroh), das so frisch wie damals klang. Und Jethro Tull spielten nach der Pause einen neu geschaffenen zweiten Teil des Werks, sinnigerweise „Thick as a Brick Part Two“ genannt. Auch wenn teilweise etwas gewöhnungsbedürftig, bot „TAAB2“ die von Jethro Tull gewohnte Qualität, die Musiker und Sänger um Ian Anderson verrichteten ihre Arbeit unaufgeregt und souverän. Bombastische Effekte gab es nicht, in einigen Einspielern auf der großen Leinwand gab sich Anderson als schottischer Adliger und Oberst, der imaginären Besuchern seinen Landsitz zeigte.

Werben für Krebsvorsorge irritiert die Fans

Zudem warb Anderson für Vorsorge-Untersuchungen, um Prostata-Krebs zu verhindern, was beim einen oder anderen Fan für kurzzeitige Irritationen sorgte. Wer außer „Thick as a Brick“ weitere Tull-Klassiker erwartet hatte, wurde ebenfalls nicht enttäuscht.

Anderson zeigte sich sowohl bei „Bourree“ aus dem legendären „Stand Up“-Album als auch beim unverwüstlichen „Locomotive Breath“, das die Band als einzige Zugabe spielte, von seiner besten Seite als genialer Flötenspieler. Nicht nur für eingefleischte Jethro-Tull-Fans hatte sich der Abend gelohnt.

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