André Rieu in Festhalle

Seligkeit im Walzertakt

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Evergreens aus Musical, Klassik und Schlager haben der Niederländer und sein Johann Strauß Orchester im Repertoire.

Frankfurt - Ein Einzug wie beim berühmten Defilee des Jungdamen- und Jungherren-Komitees auf dem Wiener Opernball: der Maestro feierlich vorneweg, mitten durchs ehrfürchtig applaudierende Publikum - das fast 60-köpfige Orchester berufsfröhlich hinterher, in edelste Gala-Garderobe gewandet. Von Peter Müller 

Und selbstverständlich im Straußschen Dreivierteltakt. Kein Zweifel, der Himmel in der Festhalle hängt schon jetzt voller Stradivari-Geigen: „Walzerkönig“ Andre Rieu hat zur Audienz geladen. .

In den nächsten zweieinhalb Stunden wird der befrackte Schlossherr aus Maastricht wieder mal eine jener perfekt konfektionierten Shows inszenieren, die böse Kritiker davon sprechen lassen, er tue der Klassik in aller Regel Gewalt an. Schaut man in die Gesichter seiner glücklichen Gemeinde, dann spielt hier ein ganz anderer Film, der geschätzte 7000 Fans selig von dannen ziehen lässt. Und diese „Best Ager“ müssen es wissen, immerhin bringen sie in etwa so viel Lebenserfahrung mit wie die ausverkauften Auditorien dreier Justin-Bieber-Konzerte zusammen.

Apropos 65: Charmeur Rieu, zuletzt finanziell und gesundheitlich angeschlagen, sieht diesem runden Geburtstag wieder in bester Form entgegen. Smart und launig wie eh und je führt er durch eine honigsüße Show-Mixtur, die Schostakowitschs „Waltz Nr.2“, Astor Piazzollas „Libertango“, die unverwüstliche „Cats“-Arie „Memory“ und ein tenorig geschmettertes „Granada“ auf eine einzige, prunkvoll geschmückte Bühne bringt. Ganz nebenbei beweist er allein an diesem Abend so viel Entertainer-Qualität, Humor und Selbstironie wie der trendigere Geigen-Kollege David Garrett auf einer kompletten Tour - Chapeau!

Musikalisch mäandert das Ganze ohnehin auf höchstem Niveau durch Musical-Evergreens, Klassik-Gassenhauer der Marke „Schneewalzer“ und mit viel Zuckerguss überzogenen Schlager à la „Die kleine Kneipe“. Rieu und sein mit einem achtköpfigen Frauen-Chor und den drei „Platin Tenören“ verstärktes Johann Strauß Orchester, das ist ein bestens geöltes, seit zwei Dekaden punktgenau laufendes Uhrwerk. Natürlich, über die weichgespülten Arrangements kann man trefflich streiten, und einem echten Liverpooler Fußballfan darf man sicher nicht ungestraft die Rieu-Version der ewigen Anfield-Road-Hymne „You’ll never walk alone“ vorspielen.

Aber, wir sind ja schließlich auch in einem Walzer-Stadl, mit therapeutischer Tiefenwirkung. Sagen zumindest niederländische Ärzte, die ihren Problem-Patienten inzwischen lieber eine Rieu-CD auflegen als weiter Medikamente einzuwerfen. Und Maestro André, vor kurzem vom Herzog von Montesquieu offiziell zum Musketier ernannt, hat ja immer auch ein paar besondere Präsente im Repertoire: In der Festhalle ist das etwa der umjubelte Bandoneon-Veteran Carlo Buono, der neben „Libertango“ auch jenes herzzerreißende Liedlein namens „Adios Nonino“ spielt, das einst ganz Holland mitsamt der liebsten neue Königin Maxima bei ihrer Hochzeit mit Willem-Alexander zum Weinen brachte.

Da wäre dann auch die brasilianische Sopranistin Carla Maffioletti, die im putzigen Zarinnen-Winterpelz mit einem, na was wohl, russischen Walzer selbst die Scheiben im Video-Schloss Schönbrunn zerspringen lässt. Und die beste Idee von Andre Rieu seit langem ist das Engagement der wunderbaren Südafrikanerin Kimmy Skota, die mit ihrem glockenklaren Sopran und der spartanisch orchestrierten Mandela-Hommage „My African Dream“ nun wirklich zu Tränen rührt. Großer Applaus.

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