Konzert in Neu-Isenburg

Andreas Gabalier: Almrausch mit E-Gitarre

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Volksmusik und Rock’n’Roll: Andreas Gabalier  sorgte im Sportpark Neu_isenburg für manchen „Oarsch-Wackler“.

Neu-Isenburg - Die neue Lust am krachledernen Ösi-Schlager-Pop-Blues: „Volks-Rock´n´Roller“ Andreas Gabalier feiert mit rund 8000 „Madln und Buam“ am Vatertag im Sportpark Neu-Isenburg eine zünftige Skihütten-Fete. Trotz „Sau-Wetters“. Von Peter H. Müller

Bei Dauerregen und gefühlten fünf Grad will zwar das euphorische Open-Air-Feeling so recht nicht aufkommen. Die in Dirndl, Trachtenleder oder Filzhut angereisten Fans des steirischen Entertainers sind dennoch begeistert - wenn nicht gerade eine Schweigeminute der besonderen Art ansteht.

Vielleicht hat ja so ein arktischer Konzertabend mit frostiger Maienluft doch etwas Gutes. Nicht nur für den Hauptdarsteller: Andreas Gabalier muss an diesem Abend weder Büstenhalter noch rosa-karierte Schlüpfer von der Bühne räumen - bei solcher Witterung zählt jedes wärmende Stückchen Stoff am Leib. Aber auch die Zahl der ernstzunehmenden Ohnmachtsanfälle und die Lazarett-Belegung halten sich im Vergleich zu seinem letztjährigen Konzert in der Jahrhunderthalle in Grenzen. Ausnahmsweise mal.

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Dabei macht der 29-jährige Alpen-Elvis doch wieder eindrucksvoll klar, warum er derzeit als Sensationsmann der volkstümlichen Musik gilt: Der fesche Harmonika-Musikus mit der akkurat gegelten Haartolle, der unvermeidlichen Sonnenbrille und dem Hirschgeweih-Mikro rast mit Gassenhauern wie „Volks-Rock´n´Roller“ oder „I sing a Liad für di“ von einem ausverkauften Jubelfest zum nächsten - die Mixtur aus Almrausch und E-Gitarre, Steirisch und Englisch, Heimatklängen, Rock-Hymnen und Hüftschwung - pardon, „Oarsch-Wackler“ - verzückt diesseits wie jenseits der großen Berge. Das ist im Sportpark nicht anders.

Gerne auch schunkelig

Es mag auch daran liegen, dass er wie ehedem Hubert von Goisern seine Songs selbst schreibt, mit einer guten Portion Rampensau-Talent gesegnet ist und bei aller durchschimmernden Selbstironie gnadenlos authentisch wirkt, vor allem aber nie in den Verdacht gerät, mit seinem Identitäts-Rock in eine allzu volktümelnde Ecke zu driften. Nein, Liedgut wie „Dahoam“, „Traditional Clothing“ oder „12 Ender Hirsch“ mixt Ösi-Schmäh mit Party-Rhythmen - und bedient friedlich ideologiefrei die Sehnsucht nach dem Einfachen, Echten, Ursprünglichen. In Gabalier-Songs wimmelt es von „Liaben Maderln“, „Bergbauerbuam“, „Zuckerpuppen“ oder anderen braven Heimatfilm-Protagonisten.

Musikalisch bedient er sich auf dem aktuellen, in Tennessee eingespielten Album „Home Sweet Home“ an bewährt Traditionellem - egal, ob es aus Musikantenstadl-Themen oder dem großen US-Rock-Almanach den ureigenen Lederhosen-Sound mit Springsteen-Anleihen bastelt. Wenn seine formidable, mit zwei fidelnden Backvocal-Sängerinnen verstärkte Band mal Luft holt, wird´s mit Gabalier solo, Akustik-Klampfe und Balladen wie „Steiererland“, „Sie“ oder „Für mich bist du schön“ gerne auch mal schunkelig sentimental.

Bilder des Konzerts in Neu-Isenburg

Andreas Gabalier im Sportpark

Oder es läuft ein bewegendes Stück Gefühlskino ab: In „Amoi seg´ ma uns wieder“ erinnert er da, allein am urigen Holz-Flügel kauernd, an eine noch immer unfassbare Familientragödie, die so gar nicht in die sonst heile Welt passen mag: Vor sechs Jahren hatte sich sein Vater vor dem Grazer Wohnhaus mit Benzin übergossen und angezündet. Keine 24 Monate später tat es ihm Gabaliers jüngere Schwester nach. Als der letzte Ton verklungen ist, kann man im Sportpark eine Stecknadel auf den Rasen fallen hören - der Applaus hat Pause. Für einen ewig langen kurzen Moment.

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