Anna Depenbusch bei Burgfestspielen

Dauerflirt mit dem Publikum

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Mit Stimme und Piano bezaubert Anna Depenbusch.

Dreieichenhain - Mit der ersten Zeile hat sie gewonnen: „Ich bau mir einen Sommer aus Papier“, singt Anna Depenbusch. Gelächter in der Hayner Burg, wo die Zuhörer in Plastikcapes den Auftritt der Hamburgerin erwarten. Von Markus Terharn 

„Ich habe extra mit diesem Lied angefangen, damit es aufhört zu regnen“, improvisiert die 36-Jährige einen neuen Text. Es ist das einzige, was an diesem Sonntag nicht funktioniert. Zum zweiten Mal gastiert die hübsche Brünette bei den Burgfestspielen Dreieichenhain. Vergangenes Jahr mit Band, nun solo am Klavier. Bis auf einen Testballon mit demselben Programm. Fazit aller, die beide Konzerte miterleben durften: Diese Frau braucht keine Mitmusiker. Ohnehin schreibt, komponiert und produziert sie alles selbst. „Sommer aus Papier“ ist ihr viertes Album; das zweite, „Die Mathematik der Anna Depenbusch“, hat sie einmal mit und einmal ohne Begleiter eingespielt. Es war der Durchbruch zum Erfolg, der sich verstetigt hat.

Der Abend ist ein einziger Flirt mit dem Publikum in 23 Nummern. Frau Depenbusch singt, pfeift, schnalzt mit der Zunge, juchzt kontrolliert. Greift zu Walzer- oder Tangoweisen beherzt in die Tasten, schlägt das Piano mit flachen Händen, tauscht es gegen die Gitarre oder die Ukulele. Männer und Frauen dürfen im Wechsel mitträllern oder mit ihren Schlüsseln rasseln, „auf eins“. Ergebnis ist ein großes Wir-Gefühl.

Alles zu den Burgfestspielen in Dreieichenhain

Im Binnenland gibt sich Depenbusch nicht hanseatischer als nötig. Hier die „Haifischbar-Polka“, da das „Kommando Untergang“, das ist alles an maritimen Metaphern. Sonst geht es um Menschen wie du und ich, zum Beispiel in „Der Astronaut“. Gern kokettiert sie damit, den Beziehungsratgebersong als Genre erfunden zu haben. Was Anna anpackt, gerät so, wie es ein Titel sagt: „Es wird gut, es wird groß, es wird Gold.“

Nicht fehlen darf der Hit „Tim liebt Tina“, ein Pärchenkreislauf im Dreivierteltakt. Und auf ein Stück haben sich alle Benjamins, Festivalchef Halberstadt eingeschlossen, schon gefreut: Darin wird ihr Name lustvoll gestöhnt wie bei einem Orgasmus. Anna, komm bald wieder! Allein oder mit 60-köpfigem Sinfonieorchester, egal. Wir sind wieder dabei...

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