Burgfestspiele Dreieichenhain

Sängerin Annett Louisan bezaubert Publikum

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In ihrer Mitte: Annett Louisan.

Dreieich - Annett Louisan ist immer ganz bei sich. Die kleine Frau mit der großen Ausstrahlung sorgt dafür, dass man sie nicht übersieht oder überhört. Da ist es nur folgerichtig, wenn die Sängerin ihr fünftes Album „In meiner Mitte“ genannt hat. Von Markus Terharn

Mit aktuellem und altem Material bezaubert die 35-Jährige bei den Burgfestspielen Dreieichenhain. Das Auditorium im ausverkauften Hayner Burggarten applaudiert Louisan und ihrem Trio stehend.

„In meiner Mitte bin ich ein zartes Kind, dem seine Wurzeln abhanden gekommen sind“ – schon das erste Stück schlägt vertraute Töne an, evoziert das Bild der Kindfrau, das Louisan seit ihrem Debüthit „Das Spiel“ zugleich kultiviert und konterkariert. Und mit dem zweiten Song ist auch der Umschwung ins Ironische wieder da: „Würdest du mit mir bis ans Ende der Welt gehn? ... Und würdest du mir sagen, wer die kleine Blonde war?“

Subtile Textbosheiten mit zarter Stimme

Subtile Textbosheiten serviert Louisan mit zarter Stimme und zuckersüß lächelnd. Doch die Dame im schwarzen Kleid, die auf hohen Absätzen oder barfuß elegant die Bühne und den Gang zwischen den Sitzreihen abschreitet, ist mit Vorsicht zu genießen. Es klingt wie eine Drohung, wenn es an anderer Stelle heißt: „Was auch immer es ist oder wer, ich krieg’s raus!“

Die Jungs sollten also auf der Hut sein. Und die Paare, neben den Mädelgruppen das Gros des Publikums, bekommen in „Pärchenallergie“ ihr Fett weg. Frauen freuen sich, dass sie nicht so sind wie Eve: „Für die Art, wie mich das ankotzt, gibt’s kein Adjektiv.“ Und falls der Mann, der sich auf Louisans Aufruf meldet, tatsächlich Torsten Schmidt heißt, kann er einem ja leid tun: „Du bist bestimmt genau so ’n Arsch wie er...“ Aber wie Annett das A-Wort haucht, das hat schon was.

Diese zwei Nummern darf Louisan nie weglassen. Sonst ist ihre Auswahl lustbetont. „Schnee in Berlin“ fällt, „obwohl es ein Winterlied ist“. Desillusioniert beschwört sie „Die nächste Liebe meines Lebens“. Und: „Das alles wär nie passiert – ohne Prosecco!“

„Hab ich nicht ’ne großartige Band?“

„Hab ich nicht ’ne großartige Band?“, fragt Louisan rhetorisch. Hat sie: Mirko Michalzik, fingerfertig an der Gitarre; Tobias Neumann, virtuos am Piano; Olaf Casimir, einfühlsam am Bass.

Den Vergleich mit berühmten Kollegen scheut die selbstbewusste Chansonette nicht. Unweigerlich lassen die Musette-Weisen von „Padam“ an Edith Piaf denken. Im Finale covert sie Charles Aznavours „Spiel, Zigeuner“. Und ehe Annett Louisan vor dem Zugabenblock gar treuherzig „Ich will doch nur spielen“ versichert, zitiert sie die unsterbliche Französin: „Ich bereue nichts!“

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