Anrührend unverkitscht

Das Gros der Neofolkies, die seit einem Jahrzehnt in Scharen auf der internationalen Popszene auftauchen, klingt nicht erheblich anders als der Folk aus dem Amerika der 60er Jahre. Jasmine & the Jack Stafford Foundation hätten damals prächtig ins New Yorker Greenwich Village gepasst. Das Pärchenduo lebt in Amsterdam, dem Ort, an dem sich die Belgierin und der Engländer getroffen haben.

Sie singen meist gemeinsam; Jack spielt Akustikgitarre, Jasmin zu vielen Stücken die Perkussionskiste Cajón.

Das vierte Album seit dem Debüt 2005 ist in Planung; ihr letztes hat die Band, die im Offenbacher Hafen 2 spielte, unter dem Titel „Tall Folks From Little Big Town“ zum Download im Internet veröffentlicht (www.jackandjasmine.com). Die „kleine Großstadt“ ist Amsterdam, und die Songs aus diesem Zyklus sind Schilderungen von Charakteren eines vielgesichtigen urbanen Lebensspektrums, vom „desperate housewife“, das in Ermangelung des abwesenden Liebsten den Postboten verführt, bis zum Polit-Protestler. Ob der scharfzüngigen Beobachtungen mag mancher sich an die Texte von Randy Newman erinnert fühlen; auch der Selbsteinschätzung eines „Ray Davies Style“, also einer Nähe zu den Kinks, kann man folgen.

Begonnen haben Jasmine & Jack den Abend mit Liebesliedern des Albums „Long Live Love“ von 2006. Auch bei diesen anrührend schönen Duetten ist der Gestus erzählerisch. Der Eindruck einer Neohippie-Naivität ist nur scheinbar. Jasmin & Jack sind ausgebuffte Songwriter bis zur schieren Perfektion. Anrührend heißt da eben nicht kitschig. Dazu sind die Texte ungeachtet der folkigen Simplizität der Strukturen viel zu gewitzt und ironisch.

Konsequenterweise haben die Zwei ein Lied im Repertoire, in dem jeder dem anderen seine Nachteile und Fehler an den Kopf wirft. „I’ll Love You More Than Ever“ heißt es dort im Refrain. Das ist die wahre Liebe. Darauf ein öffentliches Küsschen am Ende eines großen Konzerts im intimen Rahmen! STEFAN MICHALZIK

Kommentare