China – USA: Spielball WHO, Arte

WHO: Spielball zwischen China und den USA: Die Zeit der Weisheit ist zu Ende

Das Logo der Weltgesundheitsorganisation WHO im europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa
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Das Logo der Weltgesundheitsorganisation WHO im europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Die nationale Einflussnahme untergräbt die Arbeitsfähigkeit und Legitimität der Weltgesundheitsorganisation.

  • Die WHO legt eine große China-Affinität an den Tag.
  • Dazu erlebt sie eine neuerliche Phase der Re-Nationalisierung.
  • Der Rückzug der USA wird die Position Chinas nur stärken.

Donald Trump hat schon irgendwie recht. Kann das sein? Natürlich nicht. Seine Anwürfe, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei eine Marionette Chinas, und sein Boykott sind durchschaubare Versuche, vom eigenen Komplettversagen in der Corona-Krise abzulenken.

WHO mit China-Affinität

Andererseits ist eine gnadenlose China-Affinität des derzeitigen Generaldirektors der WHO Tedros Adhanom Ghebreyesus leider offenkundig. Kleine Verschwörungstheorie gefällig? Bitte: Er ist der erste Afrikaner in diesem Amt, und in Afrika hat China allenthalben seinen Einfluss intensiviert. Es könnte also sein, dass Dr. Tedros als willfähriger Funktionär mit Chinas Hilfe seinen Platz in dieser internationalen Organisation gefunden hat. Das wäre fatal.

Pierre Haskis Dokumentation zeichnet die Geschichte der WHO nach, der Koordinationsbehörde der UNO für eine internationale Gesundheitspolitik. Gegründet im Jahre 1948, zu einem Zeitpunkt also, als der zu Ende gegangene Zweite Weltkrieg bei relevanten Teilen der Menschheit zu Lernschritten geführt hatte und eine multilaterale Organisation zur Verfolgung internationaler humaner Anliegen und Interessen notwendig erscheinen ließ. Es waren Jahre der politischen Weisheit und einsichtsvollen globalen Anstrengung.

Die WHO erlebt eine neuerliche Phase der Re-Nationalisierung

Dass die Geschichte der WHO nicht nur eine der gesundheitspolitischen Erfolge, sondern auch der Misserfolge und Fehlentscheidungen war, zeigt Haskis Film prägnant. Da ist einerseits der Sieg über die Pocken; da ist aber auch die späte Reaktion auf AIDS, das Verschweigen und Beschönigen von SARS, das monatelange Ignorieren der afrikanischen Ebola-Epidemie von 2014 und jetzt die späte und gegenüber der chinesischen Führung allzu unterwürfige Reaktion auf COVID-19.

Zurzeit erlebt die WHO eine neuerliche Phase der Re-Nationalisierung, die bedrohliche Ausmaße anzunehmen beginnt. Der Etat der WHO ist vergleichsweise gering, Nationen können hier mit relativ wenig Geld relativ viel Einfluss nehmen. Diese Strategie verfolgt die chinesische Führung. Trump dagegen hängt eher der Idee an, Organisationen, die nicht nach seiner Pfeife tanzen, zu zerschlagen.

WHO: Fehler durch Missmanagement?

Dass Xis China mit geschickten Schachzügen seinen Einfluss auf die Vereinten Nationen verstärkt, ist offenkundig. Man mag sich nicht recht vorstellen, was aus den UN-Sonderorganisationen für geistiges Eigentum oder gar dem UN-Menschenrechtsausschuss wird, wenn China dort Fäden und Drähte zu ziehen beginnt.

Bei der WHO ist die Frage durchaus offen, ob ihre Fehler der letzten Jahre eine Folge von Missmanagement oder von allzu tiefen Verbeugungen vor der chinesischen Regierung waren. Für Letzteres spricht etwa der Umgang der WHO mit Taiwan, dem die Mitgliedschaft auf Druck Pekings seit je verweigert wird, und seit 2017 sogar die beobachtende Teilnahme an Jahresversammlungen der WHO

Die Zeit der Weisheit ist zu Ende

Bruce Aylward, kanadischer Sonderberater der WHO zur Bekämpfung der Corona-Epidemie, wird in einer denkwürdigen Szene gezeigt, in der er auf kritische Nachfragen einer Hongkonger Journalistin ganz und gar asiatisch agiert: Er gibt vor, aufgrund technischer Probleme die Frage nicht verstanden zu haben und das Interview abbrechen zu müssen.

Der Rückzug der USA aus der WHO wird kein Problem dieser Organisation lösen. Er wird lediglich die zunehmend destruktive Position Chinas verstärken, und Dr. Tedros hat noch mindestens zwei Jahre Zeit, dazu beizutragen. (Hans-Jürgen Linke)

Titel: China – USA: Spielball WHO
Sender: arte
Zu sehen: 30. Juni, 20:15 Uhr oder unter arte +7.

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