Pianier-Routinier als diskreter Mitgestalter

Geisenheim - Der ausverkaufte Fürst-von-Metternich-Saal in Schloss Johannisberg bestätigte: Das Konzept der festivalübergreifenden Konzertreihe „Meisterschüler – Meister“ geht auf. Von Axel Zibulski

Seit 2009 konzertieren Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ gemeinsam mit erfahrenen Künstlern, zunächst beim Schleswig-Holstein Musik Festival, seit vergangenem Jahr auch im Rheingau. Der Sparkassen-Verband hat die Reihe initiiert und unterstützt sie; in Johannisberg begegneten sich nun das junge, von Mitgliedern des Bundesjugendorchesters gegründete Artevio-Quartett und der Pianist Martin Stadtfeld.

Die Programmidee kann freilich auch für den Routinier eine Herausforderung bedeuten. Schließlich ist Martin Stadtfeld als Kammermusiker bisher nur selten in Erscheinung getreten. Im zweiten Programmteil führte er mit dem Artevio-Quartett Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 auf, das manch heikle Stelle im Zusammenwirken zwischen Klavier und Streichern bereithält – was die Intonation, was die rhythmische Feinabstimmung angeht. Im Fürst-von-Metternich-Saal gelang das vorzüglich, wobei sich Stadtfeld gerade im ersten Satz vor allem als diskreter Mitgestalter verstand. Gut so: Denn die zügige bis forsche Interpretation von Alex Jussow, Andreas Feldmann (Violinen), Bernadett Kis (Viola) und Martin Leo Schmidt (Violoncello) verriet nicht nur die Impulsivität eines jungen Ensembles, sondern überzeugte auch mit einer guten Ausformung der Phrasierungen, einer feinen Ausgewogenheit der Stimmen. Im atemlosen Scherzo des dritten Satzes etwa passte sich Stadtfelds transparent-klares Spiel vorzüglich mitlaufend ein.

Seit fünf Jahren tritt das Artevio-Quartett gemeinsam auf. Wie gut die Musiker ihr Spiel in Farben, Zwischentönen und Gestus aufeinander abgestimmt haben, war im ersten Konzertteil in der Interpretation von Maurice Ravels einzigem Streichquartett (F-Dur) zu hören. Das Artevio-Quartett bevorzugte einen geschmeidigen, verbindlichen Ton, bis hin zu den Pizzicato-Effekten des zweiten Satzes, die nie zu scharf exponiert klangen. Eingangs hatten sie die wirkungsvollen Überraschungen in Joseph Haydns „Scherz“-Quartett Es-Dur op. 33/2 eher fein angedeutet, das verschliffene Spiel der ersten Geige im langsamen Satz, die Schein-Schlüsse im Finale. Das Rheingau Musik Festival plant, die Reihe „Meisterschüler – Meister“ im kommenden Jahr fortzusetzen.

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