Artgerechte Männerhaltung

Als der Texter, Komponist und Produzent Frank Ramond sich gestern beim Hessischen Rundfunk als Sänger empfahl, ging womöglich eine Ära zu Ende, die Annett Louisan, Ina Müller, Barbara Schöneberger und Roger Cicero immensen Erfolg mit Liedern auf gehobenem Niveau bescherte. Von Ferdinand Rathke

Der Zufall wollte es, dass Roger Cicero parallel an zwei Abenden im ausverkauften Großen Saal der Frankfurter Alten Oper Zusatzkonzerte zur letztjährigen Tournee „Artgerecht“ lieferte.

Dass der 39 Jahre alte Sänger den betörenden Frauenversteher in haargenau identischem Programm und Kostümen wie im November gab, lag sicher an seiner ungebrochenen Popularität. Viele wollten den Sprössling von Jazzpianist Eugen Cicero in seiner Paraderolle erleben, wenn er im feschen Aufzug vom farblich passenden Hütchen bis zu den frisch polierten Schuhen jenes Thema ironisch auseinandernahm, das die Menschheit seit mehr als zwei Millionen Jahren in Atem hält – den Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Ein Thema, das meist von Vertretern der Comedy-Sparte besetzt ist. Cicero eroberte das schwierige Terrain mit von Ramond und Matthias Hass perfekt auf den schlanken Leib geschneiderten Songs zwischen Swing, Latin, Soul und Funk. Namentlich die Damenwelt zeigte sich beeindruckt vom kessen Roger, der zum Auftakt hastig einen gewundenen Gang im opulenten Ambiente herabschritt; auch wenn mitgebrachte Lebensgefährten und schwule Paare die Männerquote hoben. Lässig stellte der Berliner mit Wohnsitz Hamburg in der „Boutique“, einem klassischen Kriegsschauplatz der Geschlechter, klar, wer zu Hause die Hosen anhat – sie natürlich!

Doch Cicero samt 13-köpfiger Bigband ließ nie die Zügel schleifen, wenn es um die Mannesehre ging: In „Wenn sie dich fragt“ gab er Ratschläge, die vom Stammtisch kommen könnten. Über die „nicht artgerechte“ Haltung seiner Geschlechtsgenossen fabulierte er im gleichnamigen Titelsong des dritten Albums. In seinem Durchbruch „Zieh die Schuh aus“ durfte Kerl nicht mehr Kerl sein. Das konnte schon mal in die bittere Erkenntnis „Wenn ich dich los wär“ münden. Wahre Abenteuer erlebte Mann nur „Hinterm Steuer“ wo er zum Ungeheuer ward. Allerdings kannte das Glück nur Minuten, denn oft machte er faule „Kompromisse“. Das muss der zum Finale minutenlang Gefeierte momentan nicht!

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare