Jim McNeely leitet hr-Bigband

Vom Artist in Residence zum Chefdirigenten

Musiker Jim McNeely

Frankfurt - Die hr-Bigband ist als famoses Jazzorchester von internationalem Ruf bewährt. Von Stefan Michalzik

Mit namhaften Solisten und renommierten Arrangeuren tritt sie im Zuge ambitionierter Unternehmungen auf – nicht nur als Hausorchester beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt, auch etwa beim Berliner Jazzfest. Am anderen Ende ihres Spektrums stehen populäre Programme, mit denen sie in ganz Hessen unterwegs ist.

Jim McNeely, seit drei Jahren Artist in Resident, rückt kommende Saison zum Chefdirigenten auf. Der 61-jährige New Yorker bereitet Konzertprogramme mit dem ob seines furiosen Auftritts beim Deutschen Jazzfestival 2010 in guter Erinnerung stehenden indisch-amerikanischen Altsaxofonisten Rudresh Mahanthappa sowie mit dem Quartett des Gitarristen John Scofield vor. Unter dem Signum „Melodram in Jazz“ verweisen McNeely und der auch als Flötist in Erscheinung tretende Schauspieler August Zirner, einst dessen Jazzklavier- und Harmonielehre-Schüler, auf die Leistungen afroamerikanischer Literatur und Musik des 20. Jahrhunderts.

Mit dem Saxofonisten Archie Shepp beschäftigt sich die Band unter Leitung von Charles Tolliver beim Deutschen Jazzfestival Ende Oktober, das den 50. Geburtstag der am New Thing maßgeblich beteiligten Plattenfirma Impulse! zum Schwerpunkt hat, mit John Coltranes legendärem Album „Africa/Brass“ von 1961. Auf dasselbe Jahr geht Oliver Nelsons „The Blues and the Abstract Truth“ zurück, dessen Kompositionen die Band mit dem Saxofonisten Vincent Herring unter Leitung des Ex-Chefdirigenten Jörg Achim Keller spielt.

Keller, der sich im Lauf der Saison auch mit Duke Ellington auseinandersetzt, gehört neben Ed Partyka und Mike Holober zu den neuen festen Gastdirigenten. Als Gast bleibt der bisherige Chefdirigent Örjan Fahlström erhalten; er leitet ein Konzert mit Werken von Iannis Xenakis und Christian Lindberg bei Cresc, neue Biennale für moderne Musik im November. Differenzen um die programmatische Ausrichtung haben laut Hörfunk-Programmdirektor Heinz Sommer nach drei Jahren zur Trennung von Fahlström geführt.

Die Saison beginnt Ende August mit einer Hommage an Duke Ellington im Freilichtmuseum Hessenpark. Gast ist die niederländische Sängerin Fay Claasen, die Leitung hat Ed Partyka. Er ist auch Dirigent eines Gastspiels Anfang September im Langener Schloss Wolfsgarten mit dem Sänger und Pianisten Chuck Leavell, musikalischer Leiter der Rolling Stones. Einige Tage drauf steht im Hörfunkstudio II ein Projekt um Songs von Radiohead an, auch mit Partyka am Pult. Der 82-jährige Bob Brookmeyer, der Partituren für die legendäre Thad-Jones-Mel-Lewis-Bigband geschrieben hat, soll nach überstandener Krankheit für zwei Konzerte an Dr. Hoch’s Konservatorium nach Frankfurt kommen. In der Konzertreihe „Inner Voices“ treten unter Leitung von Mike Holober Instrumentalisten aus der Band mit ihren Kompositionen hervor. Für den Beitrag zur Konzert- und Clubnacht hr3@night trifft die Bigband mit Bela B von der Popband Die Ärzte zusammen.

Auch im Sinne von derlei gepflegter Unterhaltung ist in der Spielzeitbroschüre für fast jeden (Jazz-)Geschmack etwas dabei!

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