US-Formation Tower of Power gastierte im Offenbacher Capitol

Atemlose Zeitreise vom Soul zum Funk

Offenbach - Wie sehr Tower Of Power jenes Idol verehren, das bis zu seinem plötzlichen Tod 2006 weltweit Millionen betörte und faszinierte, unterstreichen sie zur Konzerthalbzeit des rund zweistündigen Gastspiels im Offenbacher Capitol: Für „Diggin’ On James Brown“ tauscht Vokalist Larry Braggs das Mikrofon mit Tenorsaxofonist Emilio Castillo, der „Mr. Von Ferdinand Rathke

Dynamite“ verblüffend echt in Stil und Intonation nachzuahmen vermag. .

Castillo zählt ebenso wie Baritonsaxofonist Stephen „Doc“ Kupka, Bassist Francis Rocco Prestia, Schlagzeuger David Garibaldi und Trompeter Mic Gillette zu den Langzeitüberlebenden von Tower Of Power, einer zehnköpfigen Formation, die sich 1968 in Oakland, Kalifornien, gründete, als der Soul zum Funk mutierte und es als hip galt, wenn schwarze und weiße Musiker sich in einer Band tummelten.

Apropos hip! Tower Of Power hegen für den Begriff eine echte Vorliebe, der seinen Ursprung in der afro-amerikanischen Umgangssprache der Jazz-Szene schon in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fand: „Walkin’ Up Hip Street“ und „What Is Hip?“ lauten die Titel von zwei kernigen Funk-Bombardements, die im keineswegs überalterten Publikum unmittelbar zünden, wenn sie übers zentrale Nervensystem unwillkürlich Zuckungen verursachen.

Atempausen lässt die Band nur wenige zu: „As Surely As I Stand Here“ aus eigener Hitschmiede und eine wirklich hinreißend von Sänger Larry Braggs interpretierte Version von Billy Pauls „Me And Mrs. Jones“ drosseln in Balladenform jeweils das regelrecht atemberaubende Tempo, das sich schon zum Auftakt mit „We Came To Play“ manifestiert.

„Got Yo’ Feet Back On The Ground“ fordern Tower Of Power in elektrisierenden Grooves aus mehrstimmigen Bläsersätzen auf satter Funk-Rhythmus-Basis. Oder, wie es ein Hit von 1993 in jazzigen Stakkati eindeutiger nicht formulieren könnte: „Soul With A Capital ,S’“. Mögen vor allem die Pioniere des Ensembles zum Teil schon stramm auf die Rente zugehen, keiner zweifelt am Wahrheitsgehalt des Titels eines weiteren Klassikers aus den siebziger Jahren: „You’re Still A Young Man“.

„Soul Vaccination“ strahlen die Veteranen mit jedem der perfekt gespielten Noten aus. Und jeder im Publikum glaubt an das unmissverständliche Credo „Ain’t Nothin’ Stoppin’ Us Now“. Schließlich sind alle gekommen, um eines satt zu genießen: „You Ought To Be Havin’ Fun“. Hypnotisch zeitlos, dieses Kraftpaket.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare