Frankfurter Jazzpianist Bob Degen wird 70 Jahre alt

Aufgewachsen in New Yorker Clubs

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Albert Mangelsdorff lotste den Amerikaner Bob Degen vor Jahrzehnten von Berlin nach Frankfurt.

Frankfurt - Bob Degen arbeitete seit den frühen Sechzigerjahren mit vielen Musikern zusammen. Egal, wen man von ihnen fragt, alle äußern sich begeistert über das Spiel des in Frankfurt lebenden Pianisten und schätzen den US-Amerikaner als besonders sympathischen Zeitgenossen und Freund. Von Detlef Kinsler 

„Seine Musikalität hat das Niveau der deutschen Jazzwelt maßgeblich angehoben“, sagt Saxophonist und hr-Bigband-Mitglied Tony Lakatos stellvertretend für viele Kollegen zu seinem 70. Geburtstag am morgigen Freitag.

Auch die Kritik hat es mit Degen meist gut gemeint. Wobei: Anders als die Feuilletonisten in Frankfurt, die den eher zurückhaltenden Mann aus vielen persönlichen Begegnungen kennen, wurde der Top-Solist in bundesweiten Blättern immer wieder in fast mitleidigem Ton als der Introvertierte, der Verkannte, der Unscheinbare tituliert. Eine eher fragwürdige Form von Huldigung, so gar nicht im Sinne Bob Degens.

„Ich bin ganz zufrieden mit meiner Karriere“, bekennt dieser, „habe viel erreicht und hätte nie gedacht, dass ich je so viel komponieren würde.“ Die eigene Persönlichkeit in Kompositionen ausdrücken zu können, bedeutet ihm viel. Schließlich müssen andere die alten Hits, die Standards aus den Songbooks, spielen. „Ich bin sehr dankbar für das, was ich erreicht habe. Es hätte nicht besser kommen können.“ In Zeiten, in denen Bescheidenheit nicht mehr als Tugend, sondern eher als Makel gilt, eine beachtliche Aussage. „Ich lasse lieber die Musik für mich sprechen, das ist meine Ausdrucksform.“

Zum Jazz dank seines Vaters

Zum Jazz fand Degen schon früh dank seines Vaters. Der nahm den Zehnjährigen mit nach New York, ins Hickory House und das legendäre Birdland. „Da habe ich leider um eine Woche Charlie Parker verpasst, aber viele phantastische Musiker gesehen. Man konnte da sitzen mit einer Coke für 50 Cent und den ganzen Abend lang gute Musik hören“, schwärmt er von dieser Zeit. Mit 17 ging er ans Berklee College of Music, traf dort auf spätere Größen wie Keith Jarrett, Gary Burton und Tony Williams. „Eine tolle Atmosphäre. Die Studenten waren manchmal besser als die Lehrer“, lacht Degen. Bei einem Workshop lernte er den Drummer Heinz von Moisy kennen. Mit einem „Melde Dich wenn Du einen Job in Deutschland für mich hast“ gingen sie auseinander.

Bob Degen und Weggefährten bestreiten das Geburtstagskonzert am Samstag, 25. Januar, in der Romanfabrik.

Das Telegramm kam eines Tages, die Flucht vorm Spielen in Stripteaseclubs in Boston war schnell beschlossene Sache. „Ich bin nach Berlin geflogen, die Gage war super, aber der Gig in einem Transvestitenclub mit furchtbarer Musik“, kam Degen zunächst vom Regen in die Traufe. Doch der nächste Job war im Jazz Room des Eden Saloon vom späteren Playboy Rolf Eden. Dort traf er auch Albert Mangelsdorff und folgte ihm nach Frankfurt. Mit der Posaunenlegende spielte der Swing-Fan, der gern dem Modern Jazz zugerechnet wird, viel freie Musik.

Eine lehrreiche Zeit, die Degen half, eine eigene musikalische Sprache zu finden, die das Beste aus zwei Welten vereinte: amerikanischer und europäischer Jazz, auch geprägt von Spätromantik, Impressionismus und moderner Klassik, Ravel, Debussy, Satie, Strawinsky und Bartók als Inspirationen. Die letzten CDs „Jake Remembered“ oder „What’s Your Dream“ leben von Stilvielfalt und Klangfarbenreichtum. „Immer so kreativ wie möglich sein“, formuliert Degen seinen Anspruch.

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