CD-Box von 1974

Überfälliges von CSNY

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Offenbach - Vierzig Jahre nach der Wiedervereinigungs-Tour von CSNY sind die Aufnahmen als Box erschienen. Von Thomas Kirstein

1974 war das Jahr, in dem Richard Nixon den Hut nahm. 1974 war das Jahr, in dem Richard Nixon den Hut nahm. Es war auch das Jahr, in dem sich die superste aller Supergruppen zusammenraufte und auf eine Riesentournee ging, die als Mutter aller künftigen Stadion-Ereignisse gelten darf: Crosby, Stills, Nash & Young erreichten in 24 Tagen bei 30 Konzerten in den USA und einem im Londoner Wembley-Stadion fast anderthalb Millionen Menschen.

Die im Fernsehen übertragene Rücktrittserklärung des verhassten US-Präsidenten verarbeitet Neil Young in einem 1.40-Minuten-Stück: „Goodbye, Dick“ ruft das Quartett dem reaktionären Politiker nach. Drei Jahre zuvor hat Young den Präsidenten in „Ohio“ verantwortlich für den Tod dreier, von der Nationalgarde erschossener Studenten gemacht. „Tin-soldiers and Nixon coming...“ singt Young mit den Herren David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash auch an diesem Abend.

Aufnahmen in guter Qualität

40 Jahre später kann man das erstmals in einer offiziellen Version hören. Es sind zwei von 40 Titeln auf einer lange angekündigten, aber immer wieder verschobenen Veröffentlichung von Aufnahmen der Tour. Jetzt liegen sie als edle Box vor, drin sind drei CDs, eine DVD mit acht abgefilmten Tracks und ein sehr feines Booklet mit gutem Text und vielen Fotos. Graham Nash hat die überfällige Zusammenstellung besorgt. Der Einfluss von Perfektionist und mp3-Hasser Neil Young ist hörbar: Prima Qualität für Aufnahmen, die mit den damaligen technischen Möglichkeiten bei Wind-, Wetter- und Publikumsgeräuschen gefertigt wurden.

Zu hören und zu erleben ist ein fiktiver, aber typischer CSNY-Gig. Drei Stunden lang, die vierzig Titel (von tatsächlich an die 80 gespielten) auf drei Sets verteilt – elektrisch, akustisch, wieder verstärkt. Fans, die im Besitz der beiden offiziellen Studio-LPs und des 1971er Live-Doppelalbums „4-Way-Street“ sind, brauchen keine Wiederholung zu befürchten. Es ist beileibe kein mittelmäßiger Aufguss von Bekanntem.

Unveröffentlichte Young-Songs

Etliche Nummern waren bislang noch nicht als Interpretation von allen Vieren zu hören, schafften es teils erst später auf Soloalben. Mit „Traces“ oder „Love Art Blues“ sind sogar mehrere unveröffentlichte Young-Songs dabei. Andere Werke aus den Federn der außergewöhnlichen Songwriter sind bei wochenlangen Proben auf Youngs Ranch neu arrangiert worden. Man vergleiche die Versionen von Nashs allerliebstem „Our House“. In seiner Biographie äußert sich Young gar nicht begeistert über Takes von der 74er Tour: „Entweder wir waren zu high oder haben einfach schlecht gespielt.“ Er hat vermutlich nicht alle Bänder gehört, die Kumpel Nash zur Verfügung standen.

Sicher, da geht beim typischen Satzgesang mal die eine oder andere Harmonie daneben, da klingt Stephen Stills besonders beim einleitenden „Love The One You’re With“ ausgesprochen heiser. Das macht das Ganze aber nur um so authentischer. Und über die drei Stunden ergibt das akustische Gesamtbild einer der außergewöhnlichsten und prägendsten Gruppen des Übergangs von den 60er zu den 70er Jahren. Es belegt auch, dass CSNY keineswegs nur Schönsinger aus der Hippie-Generation, sondern auch als veritable Rock’n-Roll-Band reüssierten. Ein Anspieltipp wäre Stills’ Kracher „Black Queen“. Die CD/DVD-Box ist erschienen bei Rhino und kostet 59,99 Euro.

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