Augenblicke purer Eleganz

Pure vokale Eleganz verströmte Magdalena Kožená zum Auftakt ihres Liederabends beim Rheingau Musik Festival. Dabei hatte die tschechische Sängerin in Schloss Johannisberg einen äußerst unprätentiösen Einstieg gewählt. Von Axel Zibulski

Fünf Liebeslieder des englischen Barockkomponisten Henry Purcell interpretierte sie in der modernen Adaption von Benjamin Britten – mit viel Einsatz von Zwischentönen, Farbnuancen, vokalen Lichtspielen: „Music for a while“, „Musik für einen Augenblick“, so der Titel eines des Lieder, war zugleich eine Art Leitmotiv des Abends.

Denn auch Robert Schumanns Zyklus „Frauenliebe und -leben“, sonst gern von dramatischen Sopranen gewählt, war der so lyrisch starken Mezzosopranistin eine eher fein schattierte Herzensangelegenheit. Ihre Textverständlichkeit war exakt, ihre Legati wirkten stets natürlich und verwischten die Intonation. Der Werdegang der verliebten und enttäuschten Ich-Erzählerin wirkte auf diese Weise mehr wie ein Gesang in reflektierter Erinnerung – vom Publikum leider mit allzu viel bronchialer Ergriffenheit begleitet. Dass Pianistin Mitsuko Uchida da umso weniger auffiel, lag keinesfalls an einer zu neutralen, sondern vielmehr an ihrer so genau wie unauffällig die Sängerin stützenden Musizierhaltung; zwei Préludes von Claude Debussy spielte sie zu Beginn der zweiten Konzerthälfte solistisch.

Farben, Duft und Leichtigkeit – mit Geschmack und Natürlichkeit nahm Magdalena Kožená die drei etwas manierierten Chansons de Bilitis von Claude Debussy. Mutig: Auch beim Finale ihres Liederabends blieb sie in Alban Bergs Sieben frühen Liedern zwischentönig und fast ohne dramatisch ausladende Geste. Eine im Feinen große Sängerin eben, die mit ihrem ambitionierten Programm den Saal in Johannisberg nicht nur füllen, sondern schließlich auch begeistern konnte.

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