Christian Gerhaher mit Schubert-Programm im Rheingau

Ausbruch und Innehalten

Das Gewitter über Schloss Johannisberg brach los, als Christian Gerhaher von jener „ganzen Welt der Schmerzen“ sang, die Atlas im Schubert-Lied nach Heine auf seinen Schultern trägt.

Die Urgewalt der Natur hätte in keinem Augenblick des Liederabends beim Rheingau Musik Festival passender einsetzen können: Denn Gerhaher sang das Lied bei seiner Gesamtaufführung des „Schwanengesang“-Zyklus durchweg am Ausdruckslimit.

So launig sich die Natur an diesem Abend zeigte, so kultiviert klang Bariton Gerhaher im Schubert-Programm. Wie unlängst in der Oper Frankfurt war sein Begleiter der Pianist Gerold Huber, der ihm beim pianistischen Wellengang der eröffnenden „Liebesbotschaft“ in Sachen Differenzierungsvermögen und Durcharbeitung den roten Teppich auslegte.

Auf dem bewegt sich der Ausnahmesänger zu recht: Blitzschnelle Wechsel zwischen vokalen Ausbrüchen und lyrischem Innehalten gelangen ebenso exzellent wie bruchlose Registerwechsel, eindrucksvoll bei den schwerelosen Höhen in „Des Fischers Liebesglück“ als einem der Lieder des Abends, die nicht aus dem „Schwanengesang“ stammten.

Geschmackssache war die Aufteilung dieses Zyklus in einen Block der Lieder nach Ludwig Rellstab am Anfang sowie die Gruppe der Heine-Lieder im zweiten Teil. Gerhaher glänzte mit nobel und sauber auf dem Atem liegendem, makellosem Piano sowie gut kalkulierten, nie forciert wirkenden Gipfelpunkten; Huber war kongenial mitgestaltender Pianist. Zwei Schubert-Zugaben waren Dank für den starken Beifall im ausverkauften Saal: „Bei Dir allein“ und „Im Abendrot“. AXEL ZIBULSKI

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