Ausgräber-Stimmung wirkt ansteckend

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Die Sänger aus Fernost dominierten bei der Soiree des Frankfurter Opernstudios.

Die Sänger aus Fernost dominierten bei der Soiree des Frankfurter Opernstudios. Ob Sopranistin Sun Hyung Cho (28) aus Südkorea oder Bariton Dong-Jun Wang (32) aus China: Alle sechs Vokalsolisten, die im Holzfoyer der Oper mit je zwei bis drei Arien auftraten, gehören der Talentschmiede an, die vor einem Jahr gegründet wurde. Von Axel Zibulski

Ihre Mitglieder übernehmen auch kleinere Partien in regulären Opernvorstellungen. Jetzt standen sie im Zentrum, die beiden Südkoreanerinnen, die zwei Chinesen, dazu Bariton Yuriy Tsiple aus der Ukraine und die kroatische Mezzosopranistin Nina Tarandek. Sie eröffnete den gut einstündigen Arien-Abend im Holzfoyer mit Mozarts wendig-leicht gesungener Cherubino-Arie „Non so più cosa son“.

Eher russische Melancholie dann von Bariton Yuriy Tsiple und einer so geschmeidig wie samtig gesungenen Nummer aus Tschaikowskys „Pique Dame“. Und spätestens der chinesische Bariton Wen Wei Zhang durfte mit der Banquo-Arie aus dem zweiten Akt von Verdis „Macbeth“ die Erfahrung machen, dass vor allem die kraftvoll ausgesungenen Final-Töne Furore machen. Insoweit geriet manches an diesem ausverkauften Abend etwas plakativ, schablonenhaft. Die betrunken zu singende Arie „Quand la flamme de l’amour“ aus Bizets selten gespielter Oper „La jolie fille de Perth“ allerdings durfte ebendies sein. Bariton Zhang gab sie als kleine Sekt-Szene.

„Spiel auf deiner Geige“ sang Nina Tarandek

Wenn die Oper Frankfurt, wie in dieser Saison, mit ihrem Repertoire weiter in Ausgräber-Stimmung bleibt, dürften ihr die Sänger nicht ausgehen. Denn auch die Mitglieder des Opernstudios, von Juri Masurok am Klavier begleitet, hatten Preziosen gefunden, eine Arie aus Puccinis früher Oper „Edgar“ etwa, aber auch Populäres: „Spiel auf deiner Geige“ sang Nina Tarandek am Ende des offiziellen Programms mit Robert Stolz aufreizend, dunkel timbriert, ausgereift.

Denn nicht zu vergessen: Anfänger sind die Mitglieder des Opernstudios nicht, sondern ausgebildete Sänger mit abgeschlossenem Studium, und daher natürlich auch auf der großen Opernbühne bestens aufgehoben. Ein Tipp: Bei ihren Bühnenauftritten zeigt im Besetzungszettel ein Sternchen hinter dem Sängernamen die Mitgliedschaft im Opernstudio an – hören dürfte man den Unterschied zu den gestandenen Kollegen nämlich nicht immer.

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