Ausrufezeichen im Jubiläumsjahr

Im November besteht der Frankfurter Philharmonische Verein 175 Jahre. Dazu setzte dessen Sinfonieorchester – darunter auch Offenbacher Geiger wie Joachim Wingenfeld und Peter Olszewski sowie Kontrabassist Arthur Hartmann – früh ein Ausrufezeichen. Von R. Gries

In Offenbachs Markuskirche trat man mit fast 80 Instrumentalisten an, bei denen der Übergang von gut ausgebildeten Laien zu semi- wie vollprofessionellen Musikern fließend war.

Dirigent Armin Rothermel ließ es im Adagio von Felix Mendelssohn Bartholdys friedlicher Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ op. 27 zunächst ruhig, fast meditativ angehen. Die Goethe-Zeilen „Tiefe Stille herrscht im Wasser, Ohne Regung ruht das Meer“ sah man fast vor sich, die tiefen Klänge der Fagotte und Streicher sowie sanft einstimmende Klarinetten und eine Flötenkadenz kreisten wie im Traum um sich selbst. Pauken und Bläser sorgten für maßvolle dramatische Steigerung, bevor das vielköpfige Ensemble in lebendigen Wellenbewegungen und Steigerungsketten Winde säuseln ließ und Nebelschleier lüftete. Festen Boden unter den Füßen hatte Rothermels nun reduzierter Klangkörper auch in Bernhard Heinrich Rombergs weitgehend vergessenem „Konzert für Flöte und Orchester h-Moll“ op. 30 von 1810. Der von Boccherini, Haydn und Beethoven beeinflusste Komponist aus Dinklage war ebenso die Entdeckung des Abends wie Solo-Querflötist Christoph Dorner.

Dann das energetisch aufgeladene Kontrastprogramm, Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie in A-Dur op. 92. Bis heute spaltet das ungezügelte bis brachial-chaotische Finale, das Carl Maria von Weber als „reif fürs Irrenhaus“ erklärte, die Geister. Ganz so schlimm ließ es Rothermel nicht werden, wenngleich seine Forte-Fortissimi des Schlusssatzes ebenso ohrenbetäubend gerieten wie gezielte Ausbrüche des ersten Satzes. Der fast so stürmische Schlussbeifall meinte auch das andere, das melancholisch klagende Allegretto und das „Presto“ genannte Scherzo mit hymnisch überhöhten Idyllen. Auch hier sorgte Rothermel für zerfallende Motive und klangliche Fragezeichen, ganz in Beethovens Sinn: „Wahre Kunst ist eigensinnig, lässt sich nicht in schmeichelnde Formen zwingen.“

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