Bach im Kopf, Sehnen im Herzen

Offenbach - Robert Schumanns Bild von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) als „Mozart des 19. Jahrhunderts“ gilt für dessen Sakralwerke nur bedingt. Das führte Jürgen Blume mit seinen Rhein-Main-Vokalisten und den Jungen Sinfonikern Hessen zum 200. Von R. Gries

Geburtstag des oft unterschätzten Meisters in idealer Weise vor. Choralkantaten wie „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“, „Jesu, meine Freude“ und „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ führten tief in die polyphonische Klangwelt des Mendelssohn-Vorbilds Johann Sebastian Bach. Basierend auf lutheranischen Texten und Choralmelodien des 16. und 17. Jahrhunderts, wechselten stimmungsvoll figurierte Choräle wie „Das wollst Du, Gott, bewahren rein“ und „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen“ mit diffizil fugierten Chorsätzen, kunstvollen Rezitativen und kan tablen Solo-Arien.

Der sehr einfühlsam dirigierende Blume vergaß in der Offenbacher Johanneskirche zur Woche der Kirchenmusik auch die „vergessene“ Mendelssohn-Schwester Fanny Hensel (1805-1847) nicht, deren „Hiob“-Kantate von Bachscher Kontrapunktik und Imitationskunst ebenso beeinflusst war wie die Motette des gemeinsamen strengen Lehrers Carl Friedrich Zelter (1758-1832).

An Mozarts schöne Form erinnert

Aber irgendwie hat Schumann auch wieder recht. In der gut in Szene gesetzten, klaren Instrumentierung wie in der geschmeidig melodischen Stimmführung der Vokalisten fühlten sich die Zuhörer auch an Mozarts „schöne Form“ erinnert, die freilich bei den Mendelssohns eigenen romantischen Schmelz gewinnt. Die Chorsänger, der souveräne Bassbariton Florian Rosskopp wie die professionellen Jungsinfoniker waren jeder Raffinesse, jedem Tempowechsel und jedem Kontrast gewachsen. Dazu sorgte der gebürtige Offenbacher Carsten Froneberg für Bass-Kontrapunkte an den Pauken. Zum Buß- und Bettag ebenso passend, sorgte die Mendelssohn-Hymne „Hör mein Bitten“ mit der nicht nur stimmschönen Sopranistin Min-Su Kim für innere Einkehr.

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