The LAST Tour“

Bach trifft Bond

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Er duzt das Publikum, das mit ihm zusammen alt geworden ist: „Happy Sound“-Übervater James Last.

Frankfurt Die Mär vom Abschied wird nicht zum ersten Mal suggeriert. James Last segelt schon seit einigen Jahren unter der Flagge ,,The LAST Tour“. Nun ist ein trotziges ,,Einmal noch“ hinzugekommen. Von Stefan Michalzik

84 Jahre ist der Last, der 1965 die erste Langspielplatte mit einem eigenen Orchester herausgebracht hat, inzwischen alt. Die grauen Haare hat er bei seinem Konzert in der Frankfurter Festhalle hippiesk zum Zopf gebunden, seine charakteristische lässige Zeichengebung vermischt sich mit den Spuren der Vergreisung. Es ist das Bild des guten Kumpels, das die bunten Blätter schon in den siebziger Jahren von ihm verbreitet haben, jener Zeit, in der kaum eine Fernsehwoche zu vergehen schien, ohne dass sein Orchester in einer großen Show der Abendunterhaltung zu sehen gewesen ist. Last duzt in seinen holprig-launigen Ansagen sein Publikum, es ist mit ihm alt geworden und viele seiner Musiker ebenso. Auch bei den fünf Chorsängerinnen und -sängern herrscht kein Jugendzwang. Hier scheinen sich alle die Treue zu halten. Eine anständige Show, dafür ist James Last bekannt, muss schon sein, mit Pyrotechnik und allem drum und dran.

Aus der Sicht eines Jugendlichen, der in den siebziger Jahren aufgewachsen ist, war James Last das Gegengift der Elterngeneration gegen die eigene Rebellion. Gleich welcher heiß geliebte Pophit gerade die Hitparaden stürmte, der Mann mit dem ewig zuckenden Knie hat ihn wenig später mit seinem ,,Happy Sound“ entschärft. Lange Haare und Bart - aber gepflegt: Äußerlich wie musikalisch brachte der einstige Jazzbassist die coole Attitüde und den Biedersinn so wirkungssicher überein wie kaum ein anderer.

James Last kennt auch an diesem Abend, zweieinhalb Stunden dauerte er, keine Grenzen. Vor den aktuellen Hits - von Adele, Christina Aguilera oder Pink - macht er nach wie vor nicht Halt. Johann Sebastian Bach trifft James Bond. Und Johann Strauss gehört so selbstverständlich mit zum Repertoire wie die Polka-Polonaise. Ingrid Arthur von den Weather Girls ist die Sangesattraktion. Keine Attraktion ist der Pianist Joe Dorff mit seiner braven Soul-Handwerksarbeit an Joe Cockers Ballade ,,You Are So Beautiful“. Da waren die Soloauftritte des Trompeters Chuck Findley und des Gitarristen Peter Hesslein von einem anderen Kaliber.

Ein Ritterschlag unter den Easy-Listening-Hipstern der achtziger Jahre blieb für James Last aus. Lichter, schwebender präsentierte sich die Musik der Könige des Genres wie Ray Conniff, Percy Faith oder Bert Kaempfert. Dabei kann James Last auch anders, wie es sein 1969 für den dortigen Markt konzipiertes, dann aber vergessenes ,,The America Album“ zeigt.

The LAST Tour? Von wegen. ,,In zwei Jahren“, so die Ankündigung zum Ausklang, ,,kommen wir wieder“. So ehrlich ist er dann doch.

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