„Baku-Star“ Roman Lob im Capitol

Gefühlvoll in die Leere des Raums

Offenbach - Roman Lob hat durch seine Fernsehauftritte den Eindruck eines schüchternen jungen Mannes hinterlassen, der Bewegungen, die über ein bedachtes Hin- und Herspazieren hinausgehen, vermeidet. Von Anke Steinfadt

Umso größer die Überraschung als „Unser Star für Baku“ plötzlich wie ein Gummiball auf die Bühne des Capitols in Offenbach geschossen kommt. Den ganzen Körper in Bewegung, singt er zum Auftakt „Changes“, Titelstück seines im Frühjahr veröffentlichten Albums. Mit „Standing Still“ hatte er zuvor beim Eurovision Song Contest einen guten 8. Platz erreicht. Das Album hielt sich acht Wochen in den Top Ten.

Umso mehr verwundert es, dass wenige Monate nach diesen Erfolgen, nur so wenige Besucher gekommen sind, um den Baku-Star live zu erleben. Der Saal ist schmerzlich leer. Doch der 22-jährige Sänger zeigt sich gut gelaunt. Und die textsicheren jungen Mädchen in den ersten Reihen sprühen in die Leere des Raums ungebrochen ihre Begeisterung. Mehrfach bestätigt Roman Lob dem Offenbacher Publikum, wie „sexy“ es sei. Die Stimmung ist von Anfang an gut. Immerhin findet das Konzert überhaupt statt. Die meisten Termine der Tournee mussten mangels Nachfrage abgesagt werden.

Stücke passen ideal ins Repertoire

Lob spielt fast alle Titel seines Albums. Dazu bietet er eine Coverversion des Kings-of-Leon-Hits „Use Somebody“, die ebenso wie James Morrisons „You Give Me Something“ nah am Original gehalten ist. Die Stücke passen ideal ins Repertoire, zeigen aber, dass dem Sänger das eigene Profil noch fehlt. Seine mit Thomas D. produzierten Songs - drei davon selbst geschrieben - lassen sich zwar alle gut hören, jedoch ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Eine echte Überraschung ist hingegen die Interpretation der Techno-Nummer „Please Don’t Stop The Music“ von Rihanna, die in der Lob-Version als klassische Rock-Ballade mit viel Gefühl daherkommt.

Lobs Stimme kann sich in ihrer Vielfalt an diesem Abend allerdings kaum entfalten, da sie sogar in den langsamen Passagen von der Wucht der fünfköpfigen Band in den Hintergrund gedrängt wird. So geht nicht einmal der Baku-Hit unter die Haut. Trotz der Umstände kann der sympathische Sänger aber insgesamt überzeugen. Es fehlt ihm nur noch ein unverwechselbarer Song.

Rubriklistenbild: © dpa

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