Streicherfestival der Klosterkonzerte Seligenstadt in der Basilika eröffnet

Wie ein Ballett auf Spitzen

Seligenstadt - Der Draht zum Himmel versagte beim Kleinen Streicherfestival der Seligenstädter Klosterkonzerte. So fand das Konzert nicht im Kreuzgang, sondern in der Basilika statt. Von Eva Schumann

Das Henschel-Quartett überraschte mit veränderter Besetzung: Markus Henschels Platz am zweiten Geigenpult übernahm Peter Clemente, Primarius des gleichnamigen Klaviertrios. Besonderheit war die Mitwirkung des Gitarristen. Giampaolo Bandini im Gitarrenquintett op. 143 von Mario Castelnuovo-Tedesco. Das Quartett gönnte dem Solisten seinen Auftritt, nahm seine Impulse auf und fügte sich meist in die Begleiterrolle. Die Darbietung des filmmusikartigen Werks erhielt viel Beifall.

Schostakowitschs siebtes Streichquartett hatte das Konzert eröffnet. Die Henschels musizierten es differenziert, mit Virtuosität und einem gehörigen Schuss Ironie. Polyphonie und hartnäckige Motorik bis hin zum Perpetuum mobile kamen ebenso zur Geltung wie klangliche Delikatesse. Das Finale wirkte wie ein Ballett auf Spitzen.

Höhepunkt war das C-Dur-Streichquintett von Schubert. Enrico Bronzi, Cellist des Trio di Parma, brachte südländisches Temperament ein. Mit Mathias Beyer-Karlshøj verband gutes Einverständnis. Das Ensemble bewältigte dieses monumentale Werk mit lebendiger Klangregie. Christoph Henschel übte die Führung aus, ohne seine Mitspieler zu unterdrücken. Clemente fügte sich selbstverständlich ein. Monika Henschel-Schwind bildete mit warmem Bratschenton die ruhige Mitte. Die wichtigen Rollen der Tieftöner als Fundament, Unruhestifter und Stichwortgeber erfüllten die Cellisten kraftvoll und mit wachsender Leidenschaft. Alle Dramatik des Werks mit seinen Stimmungswechseln von Wiener Melodienseligkeit zur Ruppigkeit, vom überirdischen Gesang zum verzweifelten Ausbruch brachten die Musiker überwältigend zum Ausdruck. Der Beifall setzte erst nach einer Pause ein, führte aber zu keiner Zugabe.

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