Mia-Bassist im Interview

„Konzert ist mein Lieblingssport“

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Robert Schütze (rechts) und seine Bandkollegen von Mia lassen am 3. November in der Offenbacher Stadthalle die Moleküle tanzen.

Die Band Mia schaut auf ihrer Tour in Offenbach vorbei. Im Interview mit der Katharina Hempel aus der Szeneredaktion verrät Bassist Robert Schütze, ob Sängerin Beyoncé Vorbild der Berliner Elektropopgruppe ist und wieso es ihn nicht nervt, immer im Hintergrund zu stehen.

Robert, über Beyoncé gibt es das Gerücht, dass sie vor ihrer letzten Tournee nur noch Salatblätter gemampft hat. Macht ihr sowas auch, um euch vorzubereiten?

Du lachst, aber das ist gar nicht so abwegig.

Tatsächlich?

Diätprogramm haben wir jetzt nicht, aber ein Fitnessprogramm starten wir auf jeden Fall vor so ’ner Tour. Und auch währenddessen halten wir uns fit. Die Miez ist ein großer Yogafan und inzwischen extrem versiert auf dem Gebiet. Davon lasse ich mich gern anstecken. Und wir haben es auf den letzten Touren so gehandhabt, dass die Miez immer das Aufwärmen übernimmt vor den Konzerten.

Was für Übungen macht ihr?

Übergeordnet steht Yoga drüber. Der eine oder andere stellt sich ja immer noch vor, dass man da im Schneidersitz sitzt und „Om“ sagt. Aber es ist schon eher das Powerprogramm, wovon man ordentlich ins Schwitzen gerät. Und es ist verdammt anstrengend. Tatsächlich.

Und Gruppenyoga reicht euch, oder macht ihr noch andere Sportarten?

Unser Schlagzeuger geht auch noch ganz viel ins Fitnessstudio und arbeitet mit ’nem Physiotherapeuten zusammen.

Damit er seine Armmuskeln stärkt?

Und vor allem seine Rückenmuskeln. Es ist ja doch anstrengend, so lange zu sitzen. Und auch wenn man sagen könnte „der hat’s ja gut, der darf sitzen“, muss er aufpassen, dass er sich nichts wegholt. Ein Zug am Rücken oder mal falsch gesessen, den Arm falsch gehoben – und nichts geht mehr. Ist uns auch schon passiert.

Deswegen also die Fitnessvorbereitungen.

Genau, denn letzten Endes agieren wir auf der Bühne ja volle Pulle, und das so ganz aus dem Kalten zu machen, da würde uns dann vielleicht die Luft ausgehen, und das will keiner.

Ihr habt jetzt richtig Kondition. Hat so ein Konzert für euch also auch einen sportlichen Aspekt?

Total. Das ist mein Lieblingssport. Wo macht man schon Sport und tausende Leute feuern einen an und jubeln?

Höchstens beim Fußball.

Stimmt.

Seit dem Spätsommer seid ihr auf Tour. Auf was dürfen sich die Besucher freuen, die in Offenbach zu eurem Konzert kommen?

Erstmal waren wir lange weg und sind nun wieder da. Was die Besucher also erwartet, ist ungehemmte, wenn nicht gar angestaute Spielfreude. Wer schon einmal ein Konzert von uns besucht hat, weiß, dass wir immer kleine Specials bereithalten.

Was denn, zum Beispiel?

Ich will eigentlich noch nichts Konkretes verraten, aber es wird etwas geben. Mieze konnte ihrem Drang zur Akrobatik nicht widerstehen und hat sich etwas neues ausgedacht und lange dafür trainiert. Das wird sie präsentieren.

Fünf Alben habt ihr mittlerweile herausgebracht, aus denen ihr Lieder auswählen könnt...

...was mich immer noch umhaut, wenn ich mir das überlege. Es wird also lange gehen bei den Konzerten. Es wird von allem was dabei sein. Und was sich jetzt schon abzeichnet: Es wird das eine oder andere in neuem Gewand erklingen.

Hast du bei so einer großen Auswahl ein Lied, das du auf jeden Fall dabei haben willst?

Oh, na doch, da gibt es auf jeden Fall mehrere, die ich dabei haben will. Ich kann mir kein Konzert vorstellen, vor dem wir aus irgendeinem Grund sagen würden „lass uns den ‘Tanz der Moleküle’ heute mal weglassen, mich nervt das, wenn das Publikum immer so mitsingt“. Also nee. Wird nicht passieren.

Warum denn nicht?

Wir lieben es, wenn das Publikum mitsingt. Wir lieben es, Stücke wie „Machtspiele“ oder „Alles neu“ zu spielen, Dauerbrenner vom ersten Album, die wir immer gespielt haben. Insofern gibt es einige Kandidaten, die nicht fehlen dürfen. Und wenn man so von mindestens zwei Stunden Programm ausgeht, dann bringt man doch auch einiges unter.

Wie unterscheidet sich die Liedauswahl für Festivals von der für Konzerte?

Bei Festivals gibt es weniger Dramaturgie. Da gilt es eher, loszulegen und oben zu bleiben und die Leute oben zu lassen. Ich freue mich aber, auf der Tour eine Geschichte zu erzählen und auch ruhigere und intimere Momente mit reinzunehmen, die vielleicht mal am Klavier begleitet werden. Das würde auf einem Festival einfach nicht passen. Aber auf dem eigenen Konzert kann man das machen.

Du hast angesprochen, dass ihr ein bisschen länger weg wart. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

In dem Jahr Pause, das wir gemacht haben, haben wir uns ins Leben gestürzt. Es war eine Zeit, wo kein Terminplaner mehr da war, wo nicht mehr klar war, was nächste Woche passiert, wo alles selbstbestimmt war. Das ist natürlich ein extremer Luxus.

Ist das nicht auch eine Last, so ganz ohne Plan und Pläne?

Ich würde das jetzt nicht als Last oder so beschreiben, aber es ist auf jeden Fall deutlich anders, als wir bis dahin gelebt haben. Und da glaub ich, findet nochmal ein gezielterer Reifeprozess statt.

Würdest du denn sagen, ihr seid in dieser Zeit erwachsener geworden und euer letztes Album „Tacheles“ spiegelt das wider?

Genau das würde ich sagen. Auch wenn mir das Wort „erwachsen“ immer noch nicht gefällt. Aber es beschreibt es tatsächlich am besten. Reifer und erwachsener geworden – das ist mit uns auch schon vorher passiert, aber natürlich kommen die drei Jahre seit dem letzten Album noch dazu.

Hattest du keine Angst, komplett in der Versenkung zu verschwinden? Immerhin ist es so schon nicht leicht, etwas über dich herauszufinden.

Ich hab so viele Namen, das macht’s schwierig. Eigentlich heiß ich ja Robert, wurde in der Band schnell Bob genannt, dann hieß ich Robby und Rob und Haste-nich-gesehen. Aber was soll’s. Man ist ja auch nur der Musiker. Das ist bei der Frontfrau natürlich ein bisschen anders.

Es nervt dich nicht, immer im Hintergrund zu stehen? Dass du mit dem Bass nur die zweite Geige spielst?

Nö. Für mich ist das was ganz Natürliches. Ich betrachte das bei anderen Gruppen ja ganz genauso. Selbst bei meinen Lieblingsbands wüsste ich jetzt nicht, wie die Musiker alle heißen, oder ob ich die wiedererkennen würde auf der Straße. So ist es nun mal. Mir reicht der Fakt, dass sie alle dazugehören. Ansonsten spielt sich halt alles über so eine Frontperson ab.

Hat ja auch Vorteile: Du kannst auch noch unerkannt durch die Straßen gehen.

Das sowieso. Aber wir schaffen es auch, vor unseren eigenen Konzerten durchs Publikum zu schleichen, ohne dass uns jemand erkennt. Das ist schon spannend.

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