Barocke Klangperlen in idealer Balance

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Mit Bachs Musik beschäftigt sich Julia Fischer seit früher Kindheit und findet dazu immer neuen Zugang. Sie teilt die sechs Werke in der Alten Oper in zwei Zyklen, trennt die Sonaten von den Partiten.

Frankfurt - Nach den Goldbergvariationen präsentierten die Frankfurter Bachkonzerte einen Gipfel im Schaffen des Barockmeisters: die Kompositionen für Violine solo BWV 1001-1006 stehen für höchste geigerische Virtuosität und raffinierte kontrapunktische Kunst. Von Eva Schumann

Mit Bachs Musik beschäftigt sich Julia Fischer seit früher Kindheit und findet dazu immer neuen Zugang. Sie teilt die sechs Werke in der Alten Oper in zwei Zyklen, trennt die Sonaten von den Partiten.

Der erste Abend galt den drei Sonaten. Auf ihrer Guadagnini-Violine musizierte die Geigerin nuancenreich, in sicherem Gleichgewicht zwischen barocker Musizierpraxis und modernem Klangempfinden. Zurückhaltendes Vibrato verband sich mit schlanker, sanglicher Tongebung und subtiler Dynamik. Das Legato überwog. Leicht und luftig gerieten Doppelgriffe und Arpeggi, synchrone Süße erhielten die Terzen. Das polyphone Geflecht war vollkommen transparent, ohne gewaltsam betonten Einsatz der Unter- oder Mittelstimme. Die Linien entwickelten sich prägnant, in natürlichem Fluss.

Überzeugend war die formale Ausgestaltung der Sätze. Träumerisch, wie eben entstehende Improvisationen, wirkten die langsamen Präludien. Ein zartes Zwiegespräch war das Siciliano der ersten Sonate. Im Adagio der dritten Sonate gestattete sich die Geigerin minimale Auszierungen, während sie sich sonst im Sinne Bachs der freien Ornamentierung enthielt.

Am zweiten Abend spielte Julia Fischer die Partiten für Violine solo. Dramaturgisch geschickt änderte sie die Reihenfolge. Sie begann mit der dritten Partita, deren Präludium sie schon in der Ysaÿe-Zugabe des Vorabends zitiert hatte. Wieder war die eloquente, einleuchtende Gestaltung der Klangrede zu bewundern. Traumhaft sicher gliederte sie Achtel- und Sechzehntelpassagen der schnellen Suitensätze – von technischer Perfektion nicht zu reden. Ebenso präzise kalkuliert wie in natürlichem Fluss wechselten Spieltechniken, Schwerpunkte, Steigerungen und Zurücknahmen. Immer hatte die Interpretin den großen Bogen im Sinn, den sie oft auch körperlich nachvollzog.

Stilgemäß war auch ihre Tongebung, leicht und mit sparsam eingesetztem Vibrato, sowie die doppelte, aber nicht scharf wirkende Punktierung. Die Ciacona war Höhepunkt des Abends. Deren zahlreiche Variationen gestaltete die Künstlerin mit solcher Virtuosität und Einfühlungsvermögen, so einfalls- und abwechslungsreich, dass ihr Publikum den Atem anhielt.

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