Beatles-Musical „All You Need Is Love“

Auf Zeitreise mit vier Pilzköpfen

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Frankfurt - Sich zur Legende gewordenen Musikgrößen zu nähern, ist schwierig, es scheint aber zumindest kommerziell lohnenswert. Von Maren Cornils 

„All You Need Is Love“, das Beatles-Musical, nutzt genau diesen Trend, und so konnten sich Fans der „Pilzköpfe“ in der Alten Oper Frankfurt in eine Zeit zurück versetzen lassen, in der die wohl berühmteste Band der Welt sich noch im Bubi-Look, mit Krawatte und schwarzer Weste im Rock’n’Roll versuchte, bevor sie sich anschickte, eine ganz neue Musik salonfähig zu machen.  Gestartet aber wird zunächst einmal dort, wo die Karriere der vier Liverpooler endete: beim letzten Konzert auf dem Dach eines Londoner Bürogebäudes. „Come Together“ schallt es da lautstark und reichlich psychedelisch von der Bühne, wo John Lennon (Howard Arthur), Paul McCartney (Tony Kishman), Ringo Starr (Carmin Francis) und George Harrison (John Brosnan) in poppig bunter Kleidung das Publikum zum Rasen bringen. Danach tritt die Band ab - ein symbolischer Akt -, um kurz darauf im braven 50er Look erneut zu erscheinen.

Man befindet sich in der Zeit des Aufbruchs, in der die Jugend danach lechzte, die biedere Schlagermusik der Vätergeneration vom Plattenteller zu verbannen und in verrauchten Clubs „abzuhotten“. Auf der Leinwand neben der Bühne sieht man passenderweise wirbelnde Petticoats, dazu erklingen Sounds aus den Anfangsjahren, als die Band noch in wechselnder Besetzung - dabei waren damals noch Stuart Sutcliff und Pete Best - unter dem Namen Beat Brothers auftrat und als Begleitung von Toni Sheridan (Ian Wood) in kleinen Clubs aufspielte. Vom Hamburger Star-Club über immer größere Bühnen, hysterische Fans und Groupie-Scharen bis hin zum Abgesang auf eine Band, die den Musikgeschmack von Generationen prägte - „All You Need Is Love“ bietet Beatles-Klänge vom Feinsten und schildert den Werdegang des Quartetts. Dafür, dass sich das Mosaik aus Liedern und gespielten Szenen nahtlos aneinander fügt, sorgen Frank Kessler als Roadie sowie Alexander Gregor und Ian Wood, die in die Rollen von Musikproduzenten, Plattenbossen, Radiomoderatoren und anderen Zeitgenossen schlüpfen.

Ein echter Ohrenschmaus

Natürlich dürfen auch die größten Hits der Fab Four nicht fehlen, und so erklingen im Verlauf eines abwechslungsreichen Abends „Hey Jude“, „Love Me Do“, „Please, Please Me“, „I Want To Hold Your Hand“ und unzählige andere wunderschöne Evergreens. Ein Mix, der auch akustisch verdeutlicht, wie wandlungsfähig diese Band war, sie sich immer neu erfinden musste, um über viele Jahre erfolgreich zu sein. Dazu gibt es fetzigen Rock n’ Roll, so dass die Zuschauer bei Songs wie „Shake, Baby, Shake“. „That’s Alright, Mama“ oder „Roll Over Beethoven“ sichtlich Mühe haben, die Füße still zu halten. Ein echter Ohrenschmaus - nicht nur diejenigen, die mit der Musik der Pilzköpfe aufgewachsen sind und mehr als zwei Stunden lang davon träumen konnten, wie berauschend es war, wenn man seinerzeit zu den Glücklichen gehörte, die eine frisch gepresste Beatles-Scheibe ergattert hatten.

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