Beatrice Egli in Offenbach

Glücksgefühle in vier Akten

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Küsschen: DSDS-Gewinnerin Beatrice Egli macht ihre Sache erfrischend gut.

Offenbach - „Hammer“ ist wohl das meist gesprochene Wort auf diesem gefühlten Oktoberfest für die ganze Schlager-Familie. „Hammer-Show“ oder „Hammer-Stimmung“ raunt es zwischen spitzen Jubelschreien unten im proppenvollen Rund. Von Peter Müller

Und oben, auf der Bühne des Offenbacher Capitols, verneigt sich die Hauptdarstellerin tausendfach vor einem Publikum, das sie, rein zufällig, ebenfalls an der Deutschen liebstes Heimwerker-Instrument erinnert: „Offenbach, Ihr toppt einfach alles – Ihr seid der Hammer! Danke, ohne Euch wär’ dieser Traum nicht wahr geworden!“. Der Auftritt mitten im ehemaligen Mark-Medlock-Terrain ist „etwas ganz, ganz Besonderes“ für die noch frisch gebackene DSDS-Siegerin Beatrice Egli: Sie lebt derzeit ihr ganz persönliches Märchen – gemeinsam mit den Fans, die darüber alle Sorgen vergessen sollen. Wenigstens für den Moment.

Der neue „deutsche Superstar“ aus dem 7000-Seelen-Ort Pfäffikon im Kanton Schwyz hat mit Band und Backvocal-Verstärkung Station gemacht, um ausgiebig das zu feiern, was der Tour-Titel ihres von DSDS-Oberjuror Dieter Bohlen produzierten Debüt-Albums verspricht: „Glücksgefühle“. In der Tat scheint die kollektive Produktion von Wohlfühl-Hormonen schwerlich steigerbar – egal, ob das „voll-sympathische Schätzli“ nun in roter Seidenrobe bekennt, dass sie mit „Jetzt und hier für immer“ den „Wahnsinn jeden Tag will“, ob sie in Lederkluft Christina Stürmers „Ich lebe“ als Rock-Musical inszeniert oder als rosa gewandete Cinderella im Spitzenkleid das gefühlige Sehnsuchts-Rührstück „Küss mich, halt mich, lieb mich“ aufführt. Das gut 100-minütige „Glücksgefühle“-Konzert ist eine Art Motto-Liveshow in vier Akten – zur besseren Unterscheidbarkeit durch Kostümwechsel markiert, und jeweils „aus ganzem Herzen“, was wiederum sinnigerweise mit ihrem DSDS-Siegersong korrespondiert.

DSDS-Gewinnerin Beatrice Egli im Interview

Als besonderes „Leckerlis“ gibt es obendrein eine Andrea-Berg-Hommage („Du hast mich 1 000 Mal belogen“ und „Gefühle haben Schweigepflicht“), ein Akustik-Intermezzo mit Karats „Sieben Brücken“ und „Alperose“ des eidgenössischen Mundart-Rockers Polo Hofer. Diese inoffizielle Schweizer Nationalhymne bleibt denn auch das einzige Stück, das von den Egli-Anhängern nicht restlos textsicher mitgelebt und -gefeiert wird. Überhaupt verblüffend: die Fangemeinde der 24-jährigen Chartstürmerin könnte kaum bunter sein. Da treffen sich Teenager, Hausfrauen und Vorruheständler, so mancher Papi hat das sechsjährige Töchterchen, so manche Mami den zehnjährigen Sohnemann im Schlepptau - Anschauungsunterricht für den eigenen Karriereplan? Man weiß es nicht.

Ganz offenbar trifft aber die (noch) bodenständige, nahbare, dauernette Pop-Prinzessin einen Nerv, quer durch die Generationen. Das in einer Zeit, in der eine vom Spießer-Image zunehmend befreite Schlagerszene mit veritablen Stars wie Andrea Berg und Helene Fischer ohnehin boomt wie nie. Beatrice Eglis Zitate der von den Feuilletons als „Bauspar-Domina“ und „Miss Zuckerguss“ veralberten Branchenführerinnen Berg und Fischer sind denn auch übergroß – sie muss die Nische zwischen den beiden Galionsfiguren wohl erst finden. Aber, bei aller Unfertigkeit, die da immer wieder aufblitzt, bei aller „Heile Welt“-Poesie, die über die LED-Wände flimmert: Fräuleinwunder Egli macht ihre Sache erfrischend gut, und am Ende, nach einem frenetisch erjubelten Zugabenblock („Ist doch alles egal“/ „Jetzt und hier für immer“) hinterlässt sie kollektiv fröhliche Gesichter. Was will man da selbst als ungeneigter Hörer noch groß bekritteln?

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